AKH: Mehrere Hundert Ärzte protestieren im Regen

Ansichtssache21. Jänner 2014, 10:31
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Wien - Mediziner auf der Straße: Dienstagfrüh versammelten sich mehrere hundert Ärzte der Wiener Universitätskliniken vor dem Eingang zum Rektorats-Gebäudekomplex, um gegen die von Rektor Wolfgang Schütz mit Anfang des Jahres verordneten Journal-Nachtdienstreduktionen zu demonstrieren. Die Patientenversorgung werde schlechter, die restlichen Ärzte im Nachtdienst seien überlastet, hieß es.

"Personalraubbau heißt Medizinabbau", lautete der Slogan der "Betriebsversammlung" der Ärzte der MedUni Wien, die in der Spitalgasse in unmittelbarer Nähe zum Zugang zum Gebäudekomplex des Rektorates stattfand. Das Rektorat hat mit Anfang des Jahres elf Journal-Nachtdienste gestrichen, weitere sollen offenbar folgen. Der Betriebsobmann des wissenschaftlichen Personals der MedUni Wien, Thomas Perkmann: "Das AKH ist bisher nicht zusammengebrochen, weil das Personal alle Kürzungen aufgefangen hat. Wir glauben aber, dass wir jetzt an eine Grenze gestoßen sind. Die Belastung für die Ärzte hat ein nicht mehr tragbares Ausmaß erreicht." Man sei zu Gesprächen bereit, Personalreduktionen würden aber auch Leistungsreduktionen für die Patienten der Wiener Universitätskliniken bedeuten.

"Keine Zeit für Patienten"

Die Versammlung fand bei widrigen Wetterumständen in Wien-Alsergrund auf offener Straße statt, weil laut den Organisatoren das AKH die Aula im Eingangsbereich nicht zur Verfügung stellte und im Hörsaalzentrum kein geeigneter Platz zu diesem Zeitpunkt vorhanden war. Trotzdem versammelten sich zahlreiche Ärzte, um ihren Unmut zu äußern. Eine Teilnehmerin von einer der Universitätskliniken für Innere Medizin: "Es geht nicht mehr. Wir schauen nur noch in den Computer. Wir haben keine Zeit für die Patienten - und für die Ausbildung der jungen Kollegen schon gar nicht mehr."

Laut Perkmann gab es noch am Montag ein Gespräch mit Rektor Schütz und dem Vorsitzenden der Exekutivkommission der Primarärzte, Christoph Zielinski. Dabei sei erklärt worden, dass man die Auswirkungen der Journal-Nachtdienststreichungen sachlich überprüfen werde. Dies sollte auch getan werden, zeige aber, mit wie wenig Planung das Rektorat der MedUni Wien vorgehe. Im Rahmen der Betriebsversammlung am Dienstag wurde auch eine Protestresolution mit den Forderungen der Ärzteschaft der Universität präsentiert und verabschiedet. 

Stöger: Sache zwischen Geschäftsführung und Ärzten

Für Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) ist der aktuelle Ärzteprotest eine Sache zwischen Geschäftsführung und den Ärzten. Es gehe um Arbeitszeitfragen "die dort zu klären sind", meinte der Ressortchef am Dienstag vor dem Ministerrat gegenüber von Journalisten.

Er fühle sich zuständig für die Versorgung der Patienten und "es sei natürlich die Aufgabe" der Krankenhausleitung qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen, wenn Patienten Hilfe brauchen. Wenn weniger Ärzte in der Nacht arbeiten, können mehr am Vormittag eingesetzt werden, so seine "Logik". Jedenfalls sei die Arbeitszeitfrage im Krankenhaus zu regeln. (APA, 21.01.2014)

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Bei der Demonstration der Ärzte der MedUni Wien, eine Betriebsversammlung auf offener Straße, wurde eine Resolution als Offener Brief an Rektor Wolfgang Schütz sowie die Wissenschafts- und Gesundheitspolitik präsentiert und verabschiedet. Hier die wichtigsten Passagen.

Der "Offene Brief zu den wiederkehrenden Journaldiensteinsparungen am AKH Wien" der ärztlichen Mitarbeiter der MedUni Wien ist adressiert an:

- Wolfgang Schütz - Rektor der Medizinischen Universität Wien

- Reinhard Krepler - Ärztlicher Direktor des AKH

- Reinhold Mitterlehner - Bundesminister für Wissenschaft und Forschung

- Sonja Wehsely - Stadträtin für Gesundheit und Soziales

- Erhard Busek - Vorsitzender des Universitätsrates der MedUni Wien und an

- Thomas Szekeres - Präsident der Wiener Ärztekammer

In dem Schreiben heißt es: "Im Jahr 2011 wurde von Rektor Schütz angekündigt, aus budgetären Gründen 24 Journaldienste streichen zu müssen. Die Anzahl der einzusparenden Dienste war nicht das Resultat einer Bedarfserhebung oder Machbarkeitsstudie, sondern reines buchhalterisches Ergebnis der Zielsparsumme von sechs Millionen. Euro. Ob diese Journaldienste ohne Leistungsreduktion für die Patienten gestrichen werden hätten können, wurde vorab weder gefragt noch geprüft. Nach langer öffentlicher Diskussion kam man jedoch zum Schluss, dass dies ohne Einschränkung der Patienten nicht möglich wäre und es wurde daher von einer Reduktion der Journaldienste abgesehen."

Ähnliches sei dann Anfang dieses Jahres abgelaufen: "Im Jahr 2014 werden mit 01.01.2014 ohne adäquate Vorankündigung, Vorbereitung oder begleitende Maßnahmen zwölf Journaldienste gewissermaßen 'über Nacht' eingespart. Selbst Rektor Schütz hält die tabellarische Aufstellung der betroffenen Diensträder erstmals am 18.12.2013 in der Hand, kurz vor Beginn der Weihnachtsferien, weniger als 14 Tage vor Inkrafttreten der neuen Regelung. Es werden den Mitarbeitern keine Konzepte vorgelegt, wie der bisherige Leistungsstandard für die Patienten trotz Wegfall von Personal erhalten werden soll, es gibt kein begleitendes Monitoring, um unerwünschte Auswirkungen auf Patienten und Mitarbeiter zu erfassen. Die betroffenen Mitarbeiter und Patienten werden sich selbst überlassen.

Bereits 2011 sei von der Gemeinde Wien eine "gemeinsame Betriebsführung" des AKH durch die Gemeinde Wien und die MedUni Wien als ein möglicher Lösungsansatz propagiert worden. Davon sei aber noch immer keine Rede.

Die Ärzte der Universitätskliniken orten an der MedUni Wien und rund um das AKH massive Management- und Planungsmängel: "Bis heute ist immer noch nicht bekannt, welche Leistungen das AKH erbringen soll und oder auch nicht und wie viel Personal hierfür benötigt wird: dennoch werden bereits wiederholt vor Abschluss solcher Planungen Personalressourcen infrage gestellt. Wir Ärztinnen und Ärzte können diesem unkontrollierten Vorgehen nicht zustimmen, da dadurch Gefährdungssituationen für Patienten und Mitarbeiter vorprogrammiert sind (...)" Die Verantwortlichen sollten folgende Forderungen unterstützen:

- Rücknahme der bereits erfolgten Journaldienstleistungen

- Leistungsplanung und Personalbedarfsplanung als Grundlage für organisatorische Veränderungen

- Keine Personal- oder Journaldienstreduktionen ohne Leistungs- und Personalbedarfsplanung.

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