London: Archäologen fanden Hinweise auf römische Kopfjäger

21. Jänner 2014, 12:03
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39 Schädel mit teilweise schweren Verletzungen lassen auf Köpfungen mit kultischem Hintergrund schließen

Englische Archäologen haben in London seltene Belege für rituelle Enthauptungen während der römischen Besatzungszeit entdeckt. Die Forscher legten in der Nähe des heute unterirdisch verlaufenden Flusses Walbrook in mehreren Gruben insgesamt 39 menschliche Schädel frei, die eine Vielzahl schwerer Verletzungen aufweisen - möglicherweise das Ergebnis von kultischen Handlungen römischer Kopfjäger.

Die Archäologen fanden die Köpfe in kleinen Schächten entlang des früheren Flussverlaufs. Genauer Radiokarbon-Datierungen liegen noch nicht vor, doch Vergleiche mit anderen Funden in der Umgebung ergaben, dass die Schädel zwischen 120 und 160 unserer Zeitrechnung in den Gruben landeten.

Eine detaillierte Untersuchung durch die Anthropologinnen Rebecca Redfern vom Museum of London und Heather Bonney vom Natural History Museum brachten unter anderem Spuren von massiven Klingenverletzungen an der Schädelbasis und den Halswirbeln zutage. Daraus schließen die Forscherinnen, dass die Köpfe gewaltsam von Rumpf getrennt worden waren.

"Es gibt keine Hinweise auf lokale Unruhen oder kriegerische Auseinandersetzungen zur fraglichen Zeit. Daher mussten wir uns nach alternativen Erklärungen für die große Zahl an Köpfen umsehen. Die Basis dafür lieferten die anthropologischen Untersuchungen," meint Redfern.

Erstmals Beleg für rituelle Enthauptungen

Dass rituelle Enthauptungen bei den Römern praktiziert wurden, war nicht unbekannt. Diese Funde lieferten jedoch erstmals auch einen Beleg dafür. Unklarheit herrscht allerdings nach darüber, woher die Köpfe ursprünglich stammten.

Auch hier liefern forensische Analysen mögliche Antworten: Aufgrund der schweren, zum Teil verheilten Gesichts-Verletzungen glauben die Wissenschafterinnen, dass römische Soldaten die Köpfe von Feinden nach Kämpfen gegen Einheimische aus dem Norden mitgebrachten. Außerdem könnte es sich um getötete Gladiatoren eines nahen Amphitheaters handeln. Die Forscherinnen hoffen, dass  weitere Analysen in dieser Frage Klarheit bringen. (red, derStandard.at, 21.1.2014)

  • Bei Arbeiten am Crossrail-Projekt, einer Eisenbahnlinie quer durch die britische Hauptstadt, entdeckten Archäologen in den letzten Jahren zahlreiche Spuren römischen Lebens. Die nun vorgestellten Funde liefern eine Beleg, dass römische Soldaten rituelle Enthauptungen an Feinden bzw. Gladiatoren vornahmen.
    foto: apa/epa/crossrail

    Bei Arbeiten am Crossrail-Projekt, einer Eisenbahnlinie quer durch die britische Hauptstadt, entdeckten Archäologen in den letzten Jahren zahlreiche Spuren römischen Lebens. Die nun vorgestellten Funde liefern eine Beleg, dass römische Soldaten rituelle Enthauptungen an Feinden bzw. Gladiatoren vornahmen.

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