"Die wichtigsten Spiele hatte ich schon"

21. Jänner 2014, 10:07
7 Postings

Kombinierer Wilhelm Denifl (33), ein reifer olympischer Debütant

Weißkirchen/Wien - Gut, der Heimweltcup am vergangenen Wochenende in Seefeld war für Wilhelm Denifl, den man eigentlich nur als Willi kennt, nicht unbedingt das, was man neudeutsch einen Burner nennt. Hätte der 33-jährige Tiroler sein Ticket für Sotschi nicht praktisch schon in der Tasche, die Plätze 20, 24 und 21 beim Nordic Combined Triple hätten ihn deutlich mehr gewurmt. "Aber ich weiß so oder so, dass ich gut beisammen bin."

Im 207. Versuch

Die schönste Bestätigung dafür ereignete sich schon am 5. Jänner in Tschaikowsky am Fuß des Ural. Da gewann Denifl seinen ersten Weltcupbewerb - im 207. Versuch. Dass nicht alle Stars der Szene im fernen Russland Ski springen und langlaufen wollten, tat der Freude am Tag nach einem vierten Platz keinen Abbruch. "In Russland habe ich echt eine gute Bilanz", sagt Denifl. Die olympische Generalprobe 2013 in Sotschi brachte ihm zwei dritte Plätze ein. Zwei Argumente mehr für Chefcoach Christoph Eugen, einst Teamkollege von Denifl und "seit langem ein Freund".

Auf Denifl ist Verlass. 2003 gewann er in Val di Fiemme an der Seite von Michael Gruber, Christoph Bieler und Felix Gottwald Mannschaftsgold, das ihm wie den anderen drei auch das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik bescherte. Im Vorjahr, erneut im Fleimstal, holte Denifl zusammen mit Bernhard Gruber WM-Silber im Teamsprint.

Olympia hat es mit Denifl noch nicht gut gemeint ("Ich war ehrlich gesagt nie stark genug, um zu den vier Startern zu gehören"), aber nur sportlich, denn "die wichtigsten Spiele hatte ich schon." Sie ereigneten sich 2002 in Salt Lake City. Denifl war als Ersatzmann in den USA und mangels Beschäftigung relativ oft im Österreich-Haus anzutreffen. Die Jahrgangsbesten der Tourismusschule Klessheim besorgten das Service, darunter auch die Steirerin Ute - heute Frau Denifl. In Utes Heimatort Weißkirchen bei Judenburg haben die Denifls gebaut, kürzlich erfolgte der Einzug samt Tochter Nina, die zweieinhalb Jahre alt ist. "Davor habe ich 32 Jahre im Stubaital gelebt."

Nicht wenige davon als Kombinierer. Denifl, der vor 14 Jahren im Weltcup debütierte, ist unter vielen Trainern gereift. Andreas Felder, Sprungcoach zu Zeiten von Cheftrainer Günther Chromecek, lehrte ihn den Sprung so, dass er bis heute einer der einschlägig Besten im Zirkus ist. Unter Alexander Diess, heute Assistent von Alexander Pointner bei den Spezialspringern, tankte Denifl vor allem Kraft, der Norweger Bard Jörgen Elden brachte ihn langlauftechnisch voran. "Und Christoph Eugen organisiert alles perfekt. Er weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, was ein Sportler braucht."

Denifl-Kurve

Dass es Denifl schwer hatte, ins Rampenlicht zu kommen, lag auch an der internen Konkurrenz. Verletzungen taten ihr Übriges. Die schwerste passierte 2004 in Seefeld - offener Unterschenkelbruch und Sprunggelenksluxation links. Und auf der Loipe in Seefeld gibt es eine Denifl-Kurve, "weil ich an dieser Stelle zweimal hintereinander gestürzt bin. Das sollte einem Österreicher nicht passieren."

Denifl will weiter an sich arbeiten. Ans Aufhören denkt der Fernstudent der Uni Krems (Master of Business Administration) nicht. Kollege Mario Stecher ist 36. "Der kombiniert auch immer noch." (Sigi Lützow, DER STANDARD, 21.1.2014)

  • Wilhelm Denifl, sehr gerührt in Tschaikowsky.
    foto: ap/ pavel golovkin

    Wilhelm Denifl, sehr gerührt in Tschaikowsky.

Share if you care.