EU-Truppe für Zentralafrika: Die EU als Buschfeuerwehr

Kommentar20. Jänner 2014, 19:31
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Die EU macht daran, in Frankreichs Fußstapfen afrikanische Buschfeuerwehr zu spielen

Die EU beteiligt sich also doch an einem Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik – einem Staat, besser gesagt: Phantomstaat, den viele Europäer zuerst einmal auf der Landkarte suchen müssen. Die Entscheidung der EU-Außenminister zeugt von einem Umdenken. Vor wenigen Wochen hatten sie dem französischen Ersuchen um finanzielle Schützenhilfe eine Absage erteilt. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel war am deutlichsten geworden: Wenn die Franzosen allein vorpreschten und ohne Rücksprache 1600 Elitesoldaten in eine Ex-Kolonie schickten, sollten sie gefälligst selbst dafür bezahlen.

Zum Umschwung hat nicht nur die humanitäre Katas­trophe beigetragen, sondern auch die Folge für Europa, wo neue Flüchtlingsströme befürchtet werden – und die Sorge vor einem panafrikanischen Vordringen der Islamisten.

Also macht sich die EU daran, in Frankreichs Fußstapfen afrikanische Buschfeuerwehr zu spielen. Man kann aus humanitären Rücksichten nur zustimmen. Doch der Einsatz ändert nichts an den tieferen Ursachen des Fast-Völkermordes: Sie sind nicht ethnisch, sondern sozial und politisch bedingt – die geschäftstüchtigen Muslime im Land wurden als Minderheit diskriminiert, während die Christen sich die Machtpfründe teilten. Die EU muss stärker darauf pochen, dass ein Militäreinsatz unbedingt in einen Prozess der Machtteilung münden muss. Auch wenn sich die Union damit bald bis zum Äquator engagiert. (DER STANDARD, 21.1.2014)

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