Erhörter Weckruf nach 957 Tagen Tiefschlaf

20. Jänner 2014, 18:39
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Die Sonde Rosetta wurde am Montag erfolgreich aktiviert, um ihre Kometenmission zu starten - Bestätigung traf um 19.18 Uhr ein

Darmstadt/Wien - Seit knapp zehn Jahren befindet sich Rosetta nun im All. Die letzten 957 Tage musste die Weltraumsonde allerdings in energiesparendem Tiefschlaf fliegen, da ihr vor knapp drei Jahren beinahe der Strom ausgegangen wäre. Also liefen zuletzt nur der Bordrechner und die nötigen Heizgeräte. Aus diesem Tiefschlaf ist Rosetta am Montag erfolgreich geweckt worden, um ihre spektakuläre Mission zu erfüllen: die erste Landung einer von Menschen hergestellten Sonde auf einem Kometen. Die Bestätigung, dass der Weckvorgang erfolgreich war, erreichte die Erde am Montag um 19:18 unserer Zeit.

Beim Objekt der wissenschaftlichen Begierde handelt es sich um 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, kurz Chury genannt. Der von "Rosetta" transportierte Lander "Philae" soll dort im November aktiv werden. Chury kann man sich wie einen riesigen Eisball mit Staub vorstellen - mit ganz besonderem Staub allerdings: Einem riesigen Kühlschrank gleich konservieren Kometen Materie von der Entstehung des Sonnensystems, das rund 4,6 Milliarden Jahre alt ist.

Rosetta war am 2. März 2004 mit einer Ariana-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana aus ins All gestartet. Mittlerweile ist sie mehr als 800 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Bis zum Kometen ist es mit neun Millionen Kilometern quasi nur mehr ein Katzensprung.

In den vergangenen Monaten hat sich die Sonde wieder der Sonne genähert und damit wieder genug Energie, um am Montag geweckt zu werden. Das eigentliche Weckerläuten erfolgte um 10 Uhr unserer Zeit in der ESA-Zentrale in Darmstadt. Bis das Signal bei Rosetta ankam, dauerte es aufgrund der Entfernung knapp 45 Minuten. Und dann benötigte die Sonde noch einmal rund sieben Stunden, um hochzufahren. 

"Hallo, Welt!"

Das erste Signal von Rosetta wurde um 19:18 unserer Zeit von der Nasa-Bodenstation Goldstone in Kalifornien während des ersten für einen Funkkontakt zwischen Sonde und Erde möglichen Fensters empfangen und vom Europäischen Raumflugkontrollzentrum der Esa in Darmstadt sogleich bestätigt. Kurz darauf folgte auf Rosettas Twitter-Account die lakonische Meldung: "Hallo, Welt!" 

„Unser Kometenjäger ist wieder da“, kommentierte Alvaro Giménez, Esa-Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration. Und Fred Jansen, ESA-Missionsleiter für Rosetta, ergänzte: „Bei diesem Weckruf war keine Snooze-Funktion vorgesehen. Nach diesem spannenden Tag sind wir jetzt erleichtert, dass unsere Sonde planmäßig aufgeweckt und wieder erreichbar gemacht werden konnte.“  

Damit sind nun die Weichen gestellt, dass die Sonde Kurs auf den Kometen Chury nehmen kann, der mit rund 100.000 km/h durch unser Sonnensystem rast und vermutlich 4,5 Milliarden Jahre alten Sternenstaub an Bord hat. (tasch, DER STANDARD, 21.1.2014)

  • Das Endziel der Mission von Rosetta (oben): Ihr Landegerät Philae (darunter) soll auf dem Kometen Chury aufsetzen. Forscher erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse über den Ursprung des Sonnensystems.
    foto: esa

    Das Endziel der Mission von Rosetta (oben): Ihr Landegerät Philae (darunter) soll auf dem Kometen Chury aufsetzen. Forscher erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse über den Ursprung des Sonnensystems.

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