ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair

Kopf des Tages20. Jänner 2014, 18:21
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Am Montag half dann nur noch die Flucht nach vorne. Sichtbar geknickt trat ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair vor die zahlreich anwesenden Pressevertreter, um selbige über weitere Zahlenmanipulationen bei ADAC-Rankings zu informieren.

Es war die wohl schwerste berufliche Stunde des Oberösterreichers, der seit eineinhalb Jahren die Geschäfte des 19-Millionen-Mitglieder-Clubs führt, der vor allem für seine Helfer, die gelben Engel, bekannt ist. Obermair entschuldigte sich nicht nur für das Fehlverhalten anderer, sondern auch für einen eigenen gravierenden Lapsus.

Noch vor wenigen Tagen nämlich hatte er bei der glanzvollen Preisverleihung des "gelben Engels"  einen Bericht der Süddeutschen Zeitung über Manipulationen im Vorfeld eben dieser Preisverleihung als "kompletten Unsinn"  und als "Unterstellungen und Unwahrheiten"  bezeichnet.

Der 51-jährige Steyrer musste auch einräumen, dass sein eigenes Krisenmanagement versagt hatte. Denn er selbst sei "der direkte Chef"  des mittlerweile gefeuerten ADAC-Kommunikationschefs Michael Ramstetter gewesen. Doch bedauerlicherweise haben dessen frustrierte Mitarbeiter Unterlagen über die manipulierte Abstimmung über das Lieblingsauto der Deutschen lieber Medien zugespielt, als Obermair zu informieren.

Der hat seinen Führungsstil einmal als antiautoritär und teamorientiert bezeichnet. Zu den Automobilen kam er auf Umwegen. Ursprünglich studierte Obermair in Wien Kommunikationswissenschaften. Im Jahr 1991 heuert er beim ÖAMTC an, wo er unter anderem die hauseigene Akademie aufbaut.

2003 übersiedelt er mitsamt seiner Familie zum großen Bruder ADAC nach München und kümmert sich dort zunächst um den Verbraucherschutz. In die Geschäftsführung rückt Obermair, der einen Sohn und eine Tochter hat, 2006 auf. Seit Sommer 2012 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung.

Unter seiner Ägide ist die Zahl der ADAC-Mitglieder weiter angewachsen. Doch Obermair, der zur Entspannung gerne "Blitzschach"  spielt, hat ehrgeizige Ziele: Bis 2020 will er die 20-Millionen-Marke schaffen. Doch nun, da der ADAC in der größten Vertrauenskrise seiner 110-jährigen Geschichte steckt, dürfte dies schwieriger werden. Aber vielleicht erinnert sich Obermair dieser Tage an seine Dissertation von 1988: "Image als Kommunikationsstruktur komplexer Sozialsysteme". (Birgit Baumann, DER STANDARD, 21.1.2014)

 

  • Ein Österreicher im Büßerhemd der gelben Engel.
    foto: apa/epa/lukas barth

    Ein Österreicher im Büßerhemd der gelben Engel.

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