Buwog: Nur Bares war Wahres

20. Jänner 2014, 17:47
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KH Grasser soll 500.000 Euro im Kuvert zur Bank gebracht haben, dort wurde es zunächst nicht einmal nachgezählt

Wien - Aus dem 343-seitigen Gutachten, das Wirtschaftsprüfer Gerhard Altenberger zur Causa Buwog bei der Staatsanwaltschaft abgeliefert hat, erschließt sich, welch gewichtige Rolle Bartransaktionen in der Sache gespielt haben. Es geht um jene Provision über 9,912 Mio. Euro, die nach der Buwog-Privatisierung via zypriotische Astropolis des Lobbyisten Peter Hochegger auf den drei Konten der Hypo-Investmentbank Liechtenstein namens Karin, Natalie und 400.815 landeten. Der Gutachter hat die Zahlungsströme analysiert und sieht, wie berichtet, "Hinweise, dass ... die Begünstigten dieser drei Konten ident sind mit den Empfängern der Buwog-Provisionen". Die seien Karl-Heinz Grasser, Ernst Karl Plech und Walter Meischberger. Sie bestreiten die Vorwürfe, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Allein die Auflistung der "Bartransaktionen im Fürstentum Liechtenstein" umfasst in der Expertise zwei Seiten. Die Einzahlungen und Abhebungen begannen im Dezember 2005 mit der Gutschrift der 9,9 Mio. bei der Astropolis, letztlich wurden dann je rund 2.446.482 Euro in bar auf die drei Konten eingezahlt. Die Verteilung nahm einige Zeit in Anspruch, dauerte von Ende 2005 bzw. Anfang 2006 bis Herbst 2007.

Auf Konto Karin etwa gab es in dieser Zeit sechs Bareinzahlungen; die herbeitransportierten Summen reichten von 237.481 Euro bis 889.185 Euro im November 2007. Konto Karin ordnet der Gutachter dem Wiener Immobilienmakler Plech zu, allerdings behauptet Meischberger, das Konto gehöre ihm. Tatsächlich war laut Unterschriftenkarte von April 2007 Plech Kontoinhaber; im Oktober 2009 wurde dann Meischberger als Inhaber geführt. Er hatte zwei Wochen zuvor Selbstanzeige bei der Finanz erstattet.

Die Geldboten hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun, auch abgehoben wurde oft in Cash. Rund 500.000 Euro der Karin-Gelder wurden für Immobilien in Australien ausgegeben, schreibt der Gutachter, zudem sei (gemeinsam mit Meischberger) ein Boot in Spanien angeschafft worden. Der Verbleib von 1,3 Mio. Euro ist nicht geklärt - jener von 664.000 Euro schon.

Eingefroren

Sie liegen immer noch auf Konto Karin, allerdings in eingefrorener Form. Die Justiz hat die Konten ja sperren lassen. Von solchen Sperren ist Meischberger, der in Wien schon öfter vor der Delogierung stand, übrigens am stärksten betroffen. Mehr als eine Million Euro ruht kalt auf seinem Konto bei der Liechtensteinischen Landesbank. Angeblich kann er heute nicht einmal mehr seine Anwälte bezahlen.

Bares spielt auch bei Grasser eine Rolle; etwa fürs (inhabermäßig) umstrittene Ferint-Konto Nr. 492.140 bei der Meinl Bank. Bei Ferint führt die Bank, wie berichtet, seit 2010 Grassers Schwiegermutter als wirtschaftlich Berechtigte. Grasser zahlte laut seinen Angaben jene 500.000 Euro, die er von ihr als eine Art Veranlagungstest in der Schweiz in bar übernommen habe, "persönlich" in Tranchen ein. Eine betrug immerhin 330.000 Euro. Der Umgang mit dem Cash war laut Bankern recht relaxt: Ein Vorstandsmitglied nahm das in einem Kuvert verpackte Geld von Grasser in Empfang, zählte nicht nach, legte es in seinen Safe. Danach will er es, ebenfalls scheibchenweise, aufs Ferint-Konto eingezahlt haben. (Renate Graber, DER STANDARD, 21.1.2014)

  • Nun zerzaust auch noch der Gutachter seine Deals: Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser.
    foto: ap/ronald zak

    Nun zerzaust auch noch der Gutachter seine Deals: Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser.

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