Werbetrommel für Fördermilliarden

20. Jänner 2014, 18:12
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EU-Forschungskommissarin bewirbt Rahmenförderprogramm "Horizon 2020" mit 80 Milliarden Euro

Wien - In der ersten Ausschreibungsrunde 2014/15 des neuen EU-Rahmenprogramms für Forschung "Horizon 2020" stehen 15 Milliarden Euro zur Abholung bereit. 7,8 Milliarden davon werden heuer ausgeschüttet. Der Startschuss für das Wettrennen um das Fördergeld fällt in Österreich heute, Dienstag, bei der Europatagung in der Wiener Hofburg.

Extra angereist kommt die für Wissenschaft, Innovation und Forschung zuständige EU-Kommissarin, Máire Geoghegan-Quinn, die Eck- und Schwerpunkte des achten Rahmenprogramms mit fast 80 Milliarden Euro Volumen präsentiert (siehe Grafik).

Wie bei den bisherigen Programmen mit sechsjähriger Laufzeit ist das Geld auch diesmal thematisch gegliedert. Für den Bereich Wissenschaftsexzellenz stehen im ersten Drittel rund drei Milliarden Euro bereit. Rund 1,7 Milliarden davon entfallen auf den Europäischen Forschungsrat, der bereits im Dezember die ersten zwei von insgesamt vier 2014 geplanten Ausschreibungen gestartet hat. 800 Millionen Euro werden über die "Marie-Sklodowska-Curie-Maßnahmen" in Ausbildung und -mobilität von Forschern und Forscherinnen investiert.

Auf den Förderbereich "Future and Emerging Technologies" entfallen 200 Mio. Euro, 277 Mio. fließen in Forschungsinfrastrukturen, wo die EU-Länder und ihre Institutionen teilweise noch kräftigen Nachholbedarf haben. 2,8 Milliarden sind allein heuer für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit "gesellschaftlichen Herausforderungen" reserviert. Rund 1,8 Milliarden Euro sind unter dem Sammelbegriff "Führende Rolle der Industrie" Projekten in Schlüsseltechnologien wie Informations- und Kommunikationstechnologie, Nano- und Biotechnologie oder Raumfahrt zugedacht.

Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner erhofft sich von der Auftaktveranstaltung in der Hofburg Aufklärung über die Schwerpunkte des neuen Förderprogramms. Auch sollen Maßnahmen und Ziele des heimischen Förderregimes dargelegt werden, damit Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen "die aufgestockten EU-Mittel optimal nützen können", ließ Mitterlehner wissen.

Noch bevor Geld ausgeschüttet wurde, hatte es erste Kritik gegeben. Zu wenig, zu komplex in der Abwicklung, insbesondere hinsichtlich Beteiligungsregeln, Evaluierung und Förderungsverfahren, so der Tenor. Die Erfolgsaussichten für Anträge seien überschaubar. Allerdings könnten Projekte näher an die Marktreife gebracht werden. Ob sich die zuletzt rückläufige, zumindest aber stagnierende Beteiligung" des privaten Sektors, also der Unternehmen, im achten Rahmenprogramm wieder verbessert, bleibt abzuwarten.

Klein- und Mittelbetrieben werde erneut kaum Ansporn, also mehr Geld in Aussicht gestellt, bemängelt das Mittelstandsforschungsnetzwerk Austrian Cooperative Research. (APA, ung, DER STANDARD, 21.1.2014)

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