Schattenbank: Neues Wespennest im Vatikan

20. Jänner 2014, 17:23
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Güterverwaltung soll als Schattenbank fungiert haben

Mailand - "Der Vatikan hat nicht nur eine, sondern zwei Banken: Die Güterverwaltung des Kirchenstaates, Apsa, und das Institut für religiöse Werke, IOR." Zu diesem Schluss kommen italienische Medien nach den Aussagen des inhaftierten Apsa-Oberbuchhalters Monsignore Nunzio Scarano.

Abgesehen vom skandalumwitterten IOR soll auch die vatikanische Güterverwaltung wenig orthodoxe Bankgeschäfte betrieben haben. Scarano soll den Ermittlern bestätigt haben, dass bei der Apsa auch Geld von Nicht-Vatikan-Angestellten angelegt, verzinst oder ins Ausland transferiert worden sei. Die Apsa, deren Aufgabe es ist, das unschätzbare Immobilienvermögen des Vatikans zu verwalten, fungierte als Schattenbank. Kunden waren angeblich auch Freunde und Verwandte von Kurienmitgliedern.

Die Apsa ist die eigentliche Schatzkiste der Vatikan-Finanzen. Während es Papst Franziskus gelungen ist, mithilfe von Experten und des seit einem Jahr amtierenden deutschen IOR-Präsidenten Ernst von Freyberg bei der Vatikanbank etwas aufzuräumen, ist die Vatikanische Güterverwaltung noch Neuland. Hier geht es nicht nur um die Immobilienverwaltung, sondern auch um ein Anlagevermögen von offiziell 680 Mio. Euro. In Wirklichkeit dürften die von der Apsa betriebenen Finanztransaktionen wesentlich höher gewesen sein. "Ich hatte keine detaillierte Einsicht, diese waren Angelegenheit höchster Ebene", gab Scarano zu. In den Apsa-Beratergremien sitzen u. a. zahlreiche Vertreter des römischen Finanzklüngels. "Der Vatikan ist denen ausgeliefert", sagte ein Experte der Vatikanfinanzen, der nicht genannt werden will. Hier sei noch viel Ärger zu erwarten.

Papst Franziskus hat bereits seine Fühler ausgestreckt. Apsa-Präsident Kardinal Domenico Calcagno wurde entmachtet, indem er als Kommissionsmitglied für die Aufsicht der IOR-Finanzen abgesetzt wurde. Mit ihm wurden drei weitere Kommissionsmitglieder geschasst. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn wurde zum neuen Mitglied der Kommission ernannt. Zur Diskussion steht eine Fusion von IOR und Apsa. Das neue Finanzkonglomerat soll unter die Kontrolle der Vatikanischen Finanzaufsicht gestellt werden. Diese steht unter der Führung des Schweizer Antigeldwäscheexperten Rene Brülhart, der mit den Zentralbanken anderer EU-Länder zusammenarbeitet. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 21.1.2014)

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