Mit Schiele zum "Sportflitzer"

20. Jänner 2014, 17:37
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Neuentdeckung entpuppt sich als altbekannt

Wien - Es sind Geschichten, wie sie der Boulevard liebt: auf dem Dachboden, im Keller oder im Altpapier aufgestöberte Kunstwerke. Einen solchen Sensationsfund vermeldete das Gratisblatt Heute Mitte September 2013. Konkret hatte ein 38-jähriger Familienvater (Bezirk Mistelbach) in der Verlassenschaft seines verstorbenen Vaters (auf dem Dachboden) eine Mappe mit Werken von Egon Schiele entdeckt. Drei Monate später folgte das Update: Jackpot, die "Gemälde" (sic!) seien von Jane Kallir - internationale Schiele-Expertin - als echt befunden worden.

Nur die halbe Wahrheit, wie ein Bericht in der aktuellen Profil-Ausgabe belegt. Denn tatsächlich handelt es sich um einen Mix von drei gefälschten Zeichnungen und drei echten Aquarellen. Weiters kenne Kallir dieses Portfolio seit 1986 und sind die Aquarelle im Werkverzeichnis (1990) gelistet. Dazu war diese Mappe hierzulande bereits in Umlauf: Im Oktober 2011, erinnert sich Museumskurator Christian Bauer (Egon-Schiele-Museum, Tulln), war sie ihm von einem Kollegen zur Begutachtung zwecks allfälligen Ankaufs (aus Klosterneuburger Privatbesitz) vorgelegt worden.

Nun gelangen zwei der drei Aquarelle bei Bonhams in London (4. Februar) zur Auktion. Sie stammen aus Schieles Anfangsjahren (1907) und wurden auch aufgrund des untypischen Motivs - Segelschiff mit Spiegelungen und Garten mit Baum - nur mit je 36.000 bis 60.000 Euro taxiert. Laut Heute -Meldung von vergangener Woche träumt der Einbringer derweilen schon von der Anschaffung eines "Sportflitzers". (kron, DER STANDARD, 21.1.2014)

  • Egon Schiele, "Segelschiff mit Spiegelung": das Aquarell von 1907 gelangt nun bei Bonhams mit einem Schätzwert von 36.000 bis 60.000 Euro zur Auktion.
    foto: bonhams

    Egon Schiele, "Segelschiff mit Spiegelung": das Aquarell von 1907 gelangt nun bei Bonhams mit einem Schätzwert von 36.000 bis 60.000 Euro zur Auktion.

  • Die auf einem Dachboden im Bezirk Mistelbach aufgefundenen Mappe enthielt vermeintlich sechs Arbeiten von Egon Schiele: drei Aquarelle sind echt, bei den drei Zeichnungen handelt es sich um Fälschungen, darunter diese.
    foto: archiv

    Die auf einem Dachboden im Bezirk Mistelbach aufgefundenen Mappe enthielt vermeintlich sechs Arbeiten von Egon Schiele: drei Aquarelle sind echt, bei den drei Zeichnungen handelt es sich um Fälschungen, darunter diese.

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