Stabile Partnerschaften senken die sportliche Aktivität

20. Jänner 2014, 16:24
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Paarbeziehungen wirken sich negativ auf die Sportbegeisterung aus, sagen deutsche Soziologen

Berlin - Das Leben in einer Paarbeziehung führt dazu, dass Menschen weniger Sport treiben. Besonders wenn die Partner zusammen leben und erst recht, wenn sie verheiratet sind, lässt die Sportbegeisterung stark nach. Zu diesem Schluss kamen Soziologen der Universität Heidelberg in einer Studie, die im Fachblatt "Social Science & Medicine" veröffentlicht wurde.

Heiratsmarkt-Hypothese

"Männer und Frauen in stabilen Partnerschaften müssen ihre Attraktivität nicht mehr auf dem Heiratsmarkt unter Beweis stellen", erklärt Ingmar Rapp, einer der Autoren. Für ihre Untersuchung hatten Rapp und sein Kollege Björn Schneider Daten auf Basis des am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin angesiedelten Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von mehr als 11.000 Männern und Frauen ausgewertet, die zwischen 1992 und 2011 wiederholt befragt worden waren.

Die deutschlandweit repräsentativen Daten zeigen: Egal ob die Befragten in einer Partnerschaft ohne gemeinsamen Haushalt lebten, ob sie zusammen wohnten oder zudem verheiratet waren - sie trieben weniger Sport als zu der Zeit, als sie noch Singles waren. Besonders stark ließ die Sportbegeisterung bei Ehepaaren nach. Am wenigsten vernachlässigten Männer und Frauen in Partnerschaften ohne gemeinsamen Haushalt ihre sportlichen Aktivitäten.

Trendumkehr bei Männern ab Mitte 50

Diese Ergebnisse sprechen für die so genannte Heiratsmarkt-Hypothese der Soziologen. Demnach lässt die sportliche Aktivität von Männern und Frauen umso stärker nach, je stabiler eine Beziehung ist. In ihren Berechnungen hatten die Forscher auch andere mögliche Erklärungen überprüft. "Dass Menschen in Beziehungen weniger frei verfügbare Zeit für sich haben, kann den Rückgang der sportlichen Aktivität jedoch nicht erklären", sagt Schneider.

Die SOEP-Daten zeigen auch: Ab einem Alter von etwa Mitte 50 ist die Tendenz bei verheirateter Männer zu weniger Sport nicht mehr feststellbar. "Das könnte daran liegen, dass Frauen sich dann stärker um die Gesundheit des Partners sorgen und ihn eher motivieren, Sport zu treiben", vermuten die Soziologen. Umgekehrt scheint das nicht der Fall zu sein: Bei Frauen führt die Ehe bis ins hohe Alter dazu, dass sie weniger Sport treiben.

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Seit 1984 werden jedes Jahr mehrere tausend Menschen befragt, derzeit sind es etwa 30.000 Befragte in 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen analysiert werden. (red, derStandard.at, 20.1.2014)

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