Notenbank hält Wiener Immobilien für überbewertet

20. Jänner 2014, 17:45
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Die OeNB nahm sich erstmals die Preisentwicklung der Immobilien vor. In Wien sind Liegenschaften um 21 Prozent überbewertet

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank stellt in einer Immobilienpreisanalyse, basierend auf Fundamentaldaten, fest, dass die Immobilienpreise in Wien mit 21 Prozent überbewertet sind, in Gesamtösterreich die Preise aber mit acht Prozent unterbewertet sind.

Geringe Haushaltsverschuldung

Gleichzeitig wird betont, dass es sich um keine Immobilienblase handelt, wie sie etwa Spanien oder Irland erlebten. Der Grund: Die geringe Haushaltsverschuldung, die Käufe erfolgen häufig mit Eigenkapital, und der heimische Bausektor sei auch nicht überhitzt.

Die Direktorin der Hauptabteilung Volkswirtschaft, Doris Ritzberger-Grünwald betonte: "Das ist das Luxussegment, das in Wien so deutlich durchschlägt." Nachfrage und Angebot bewegten sich da in ganz anderen Dimensionen, verwies sie etwa auf die Preisschübe in der Innenstadt. Hinsichtlich der Finanzmarktstabilität bereite die Immobilienpreisentwicklung der Nationalbank "keine Sorge, aber sie hat unsere Aufmerksamkeit erregt".

Stärkste Preisanstiege im Euroraum seit 2007

Die österreichischen Immobilienpreise weisen im Euroraumvergleich eine atypische Entwicklung auf. Während es in einer Reihe von Euroraumländern wie Griechenland oder Spanien seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts oder teilweise bereits ab der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre (Irland, Niederlande, Finnland) starke Preisanstiege zu verzeichnen gab, stagnierte das Preisniveau in Österreich bis zur Mitte des letzten Jahrzehnts.

Seit 2005 sei jedoch ein spürbarer Anstieg zu beobachten. Österreich hat in den vergangenen Jahren im Euroraumvergleich die stärksten Preisanstiege aufzuweisen. Von Beginn 2007 bis Mitte 2013 sind die Preise um 39 Prozent gestiegen. Damit liegt Österreich ganz klar über dem Euroraum, wo die Preise stagnierten.

Preise gebrauchter Eigentumswohnungen stiegen rasant

Der Euroraumdurchschnitt ist von Ländern mit deutlichen Preisrückgängen nach dem Platzen von Preisblasen (Irland, Spanien, Estland, Griechenland) geprägt. Doch auch von den Ländern mit Preisanstiegen kommt kein Land an die österreichische Dynamik heran. Betrachtet man die kumulierten Preisanstiege von 2000 bis Mitte 2013, so zeigen sich die stärksten Preisanstiege bei gebrauchten Eigentumswohnungen (plus 104 Prozent), die auch das größte Segment am Wiener Immobilienmarkt darstellen.

Die Preise für neue Eigentumswohnungen (plus 60 Prozent), Baugrundstücke für Eigenheime (plus 82 Prozent) und Einfamilienhäuser (plus 75 Prozent) stiegen ebenfalls stark.

Mietentwicklung gedämpfter

Im Gegensatz dazu haben sich die Mieten nur geringfügig erhöht (plus 29 Prozent). In den Bundesländern (Österreich ohne Wien) verlief die Preisentwicklung deutlich gedämpfter. Während die Preise in Wien im Zeitraum von 2000 bis Mitte 2013 um insgesamt 96 Prozent stiegen, betrug der Preisanstieg in Restösterreich nur 41 Prozent. Nach Marktsegmenten zeigt sich in Restösterreich ein ähnliches Bild wie in Wien: Die stärksten Preisanstiege waren bei gebrauchten Eigentumswohnungen zu verzeichnen; bei neuen Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern fiel der Preisanstieg deutlich schwächer aus. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 21.1.2014)

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oenb.at

  • Sowohl eine Immobilienpreisblase als auch "abrupte Rückgänge" der Immobilienpreise könnten eine "ernsthafte Bedrohung für die Stabilität einer Volkswirtschaft und ihres Finanzsystems" darstellen, sagt die OeNB.
    foto: apa/neubauer

    Sowohl eine Immobilienpreisblase als auch "abrupte Rückgänge" der Immobilienpreise könnten eine "ernsthafte Bedrohung für die Stabilität einer Volkswirtschaft und ihres Finanzsystems" darstellen, sagt die OeNB.

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