Personalsuche: Keine falschen Erwartungen vermitteln

20. Jänner 2014, 11:56
posten

Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG will bei Jobkandidaten mit Ehrlichkeit punkten, erzählte Personalchefin Ursula Vogler beim HR-Circle

Wien - "Der Arbeitsmarkt dreht sich, die Interessenten kommen nicht in Scharen." Ursula Vogler muss es wissen, sie ist Personalchefin beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG. Um im so genannten "War of talents", wie der Kampf um die besten Arbeitskräfte martialisch bezeichnet wird, nicht auf der Strecke zu bleiben, brauche es ein Instrumentarium für die gezielte Ansprache von Jobkandidaten. Auf welche Maßnahmen KPMG in diesem Employer Branding-Prozess setzt, erzählte sie beim Personalistennetzwerk HR-Circle.

Werte vermitteln

Die Generation Y müsse schließlich umworben werden, so Vogler. Flexibilität, Freiheit und Sinn im Job seien nicht nur Worthülsen, sie müssten auch als fixer Bestandteil der Unternehmenskultur transportiert werden. Diese Werte gelte es im Recruiting zu vermitteln. Eine Aufgabe, die schwierig genug sei, denn: "Wirtschaftsprüfung wird nicht unbedingt als sexy empfunden." Seriosität ist in dem Metier normalerweise Trumpf, der Spielraum für Experimente ist gering. Als Zielgruppen auserkoren wurden Studenten und Absolventen, Präsenz zeigte das Unternehmen auf Jobmessen oder Unis.

Für Vogler hat Employer Branding drei Dimensionen. Erstens gehe es um die Akquisition von neuen Mitarbeitern, zweitens müssten die bestehenden Mitarbeiter bei der Stange gehalten werden und nicht zuletzt sei die Wirkung nach Innen wichtig. Also die Intention, bestehende Mitarbeiter zu binden, indem die Identifikation mit dem Unternehmen gestärkt werde: "Mitarbeiter sollen stolz darauf sein, bei KPMG zu arbeiten."

"Außenauftritt wirkt auf die Mitarbeiter"

Umgesetzt wurde das Konzept von der Kommunikationsagentur "Roidinger Majewski", die damals unter dem Namen "no.sugar" firmierte. Mit dem Ziel, den sachlichen Gesamtauftritt des Unternehmens mit Emotionen aufzupeppen, wie Sandra Majewski, Geschäftsführerin der Agentur, erläutert. Im Mittelpunkt der Aktivitäten stand eine Broschüre, sie sollte KPMG als attraktiven Arbeitgeber positionieren. Auf Models wurde bewusst verzichtet, die Protagonisten rekrutierte die Agentur im Unternehmen selbst. "Der Außenauftritt wirkt auf die Mitarbeiter", sagt Majewski und verweist generell auf Werte, die kommuniziert werden. Seien diese nicht glaubhaft, gehe der Schuss nach hinten los: "Die Konsumenten sind mündig."

Für Ehrlichkeit plädiert auch Personalchefin Vogler: "Es bringt nichts, wenn Menschen mit falschen Erwartungen zu uns kommen." Und sich beispielsweise ein Arbeitsumfeld erwarten, in dem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leicht fällt. "Die meisten unserer Prüfungen finden halt von November bis März statt." Monate, in denen Überstunden an der Tagesordnung stünden, "dafür kann man sich zum Beispiel im Sommer drei Monate freinehmen." Mit Urlaub und Zeitausgleich.

Mitarbeiter empfehlen

Nicht die Anzahl der Bewerbungen sei entscheidend, sondern die Qualität. Als einen Erfolg im Recruitingprozess sieht sie das Mitarbeiterempfehlungsprogramm, das es bei KPMG schon länger gibt. Zwölf Prozent der Belegschaft wird laut Vogler in Österreich über diese Schiene rekrutiert. Haben Kollegen mit ihren Vermittlungsbemühungen Erfolg, erhalten sie eine Prämie. Allerdings erst, wenn die Probezeit absolviert ist und das Dienstverhältnis in ein unbefristetes übergeht. Normalerweise, erklärt Vogler, brauche es zwölf Gespräche, um jemanden fix zu engagieren. Kommt das Mitarbeiterempfehlungsprogramm ins Spiel, reduziert sich die Anzahl auf zwei. (red, derStandard.at, 20.1.2014)

Hinweis:

Der nächste HR-Circle ist exklusiv für Mitglieder. Bei der Frühstücksveranstaltung am 10. März (Beginn 9:00 Uhr) geht es um das Thema Talentemanagement: Von der Kurzfrist-/reaktiven zur Langfrist-/proaktiven Planung.

Link:

www.hrcircle.at

  • Ursula Vogler (rechts) von KPMG und Sandra Majewski von der Agentur "Roidinger Majewski".
    foto: hr-circle/martina draper

    Ursula Vogler (rechts) von KPMG und Sandra Majewski von der Agentur "Roidinger Majewski".

Share if you care.