Schwarzes Hollywood im Aufschwung

20. Jänner 2014, 11:09
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Im vergangenen Jahr erfuhr Amerikas "Black-Cinema" eine Renaissance

Auch wenn "The Butler" für die diesjährige Oscar-Nominierung nicht berücksichtigt wurde, bleibt der Bürgerrechtsfilm, umgesetzt von Regisseur Lee Daniels in vielerlei Hinsicht prägend. Vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung erzählt Daniels den Konflikt zwischen Vater und Sohn und liefert dabei auch einige Mosaiksteine aus seiner eigenen Familiengeschichte, die selbst von Diskriminierung geprägt war. Diese, weitestgehend fehlende Perspektive im amerikanischen Kino bringen schwarze Regiesseure wie Lee Daniels oder Steve McQueen durch ihre kritischen und ungeschönten Filme neu zur Geltung.

Renaissaince im Film

"Wir erleben sozusagen eine Renaissance des Schwarzen Kinos und zwar deshalb, weil es mittlerweile Regisseure gibt, die sich mit ihren Independent-Produktionen eine Stimme verschaffen", sagt Cuba Gooding, Jr., der an der Seite von Forest Whitaker in "The Butler" mitwirkte. Auch Darnell Hunt, Vorstand des Instituts für African American Studies an der UCLA, sprach in einem Interview von einem "bemerkenswerten Jahr" für die Darstellung afro-amerikanischer Geschichte im Kino. Die Regisseure würden mit den althergebrachten Mustern von Filmen über Afro-Amerikaner und ihrer Erzählweise brechen, da die Produktionen angefangen von Regisseuren, Schauspielern bis hin zu Produzenten und Financiers neu besetzt sind.

Neue Netzwerke geschaffen

Reginald Hudlin, einer der Produzenten des unter Anti-Diskriminierungsvereinen umstrittenen Action-Films "Django Unchained" sprach in einem Radiointerview von "neuen Netzwerken, die es vorher nicht gab". Der britische Filmregisseur Steve McQueen, der große Anerkennung – Golden-Globe-Gewinner und aussichtsreicher Oscar-Favorit - für sein Drama "12 Years a Slave" erfahren hat, wird als eines der nächsten Projekte die Geschichte mehrerer Schwarzer Familien zwischen 1968 und 2014 in Großbritannien umsetzen. Den Auftrag kommt vom öffentlich-rechtlichen Medien-Riesen BBC.

Neue Entwicklung

Die Journalistin Susie Stillwell führt in ihrer eigens zum Thema recherchierten Filmliste mit insgesamt 641 erschienenen Filmen im Jahr 2013 insgesamt 48 Filme, in der schwarze Schauspieler in der Hauptrolle spielten. Von diesen 48 wurden die Hälfte auch von schwarzen Regisseuren, darunter viele Neueinsteiger verfilmt. Eine Entwicklung, der auch Schauspieler wie Cuba Gooding, Jr. positiv entgegenblicken. In einem Interview zum Film "The Butler" verriet der Schauspieler: "Die  größte Frustration meiner Karriere war, darauf warten zu müssen, dass diese Geschichten endlich erzählt werden."

Dies scheint auch neue Erwartungen unter jüngeren Filminteressierten zu wecken: Tambay Obenson, selbst Jung-Regisseur und Blogger erhofft sich in seinem Ausblick für das Jahr 2014 vor allem, dass Steve McQueen mit seiner Nominierung für den Oscar auch zum ersten schwarzen Regiesseur, der die Kategorie "Best Director" gewinnt, gekürt wird. (Toumaj Khakpour, daStandard.at, 20. Jänner 2014)

  • Der britische Regisseur Steve McQueen (li.), die kenianische Schauspielerin Lupita Nyong'o und der britische Schauspieler Chiwetel Ejiofor bei der Premiere von  "12 Years a slave" auf dem London Film Festival at Leicester Square.
    foto: apa

    Der britische Regisseur Steve McQueen (li.), die kenianische Schauspielerin Lupita Nyong'o und der britische Schauspieler Chiwetel Ejiofor bei der Premiere von  "12 Years a slave" auf dem London Film Festival at Leicester Square.

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