SPÖ feilt an Eugen Freunds Außenwirkung

20. Jänner 2014, 17:45
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Die Klubklausur im Burgenland diente notgedrungen dazu, den Spitzenkandidaten aus den Fettnäpfchen des Wochenendes zu holen

Wien/Frauenkirchen - Das Burgenland hat turnusmäßig den Vorsitz in der Landeshauptleute-Konferenz, dessen Landeshauptmann Hans Niessl lud also den SPÖ-Klub aus Nationalrat, Bundesrat und EU ins heimatliche Frauenkirchen. Dort aber kreiste dann alles um die Fettnäpfchen, in die sich der mit großem medialem Tamtam präsentierte Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Ex-ORFler Eugen Freund, am Wochenende verirrt hatte. Vor allem in einem Profil-Interview, in dem er sich ein wenig schnippisch zeigte und relativ ahnungslos über die wahren Einkommensverhältnisse.

Der diesbezüglich von allen Journalisten gelöcherte Bundeskanzler meinte bloß: "Nix Schlimmeres soll passieren, als dass einer sich bei der Statistik irrt." Selbst Bruno Kreisky, erinnerte Werner Faymann, "hatte einst Millionen mit Milliarden verwechselt. Mit Eugen Freund kommt einer, der dazupasst."

"Integre, linke Persönlichkeit"

Mehr noch, so Christine Muttonen, EU-Sprecherin und als Kärntnerin alte Freundin der Freunds: "Er ist eine integre, linke Persönlichkeit." Beziehungsweise, so Gastgeber Niessl, "ein kompetenter, bekannter, sympathischer Spitzenkandidat". Jedenfalls einer, so ein eher zurückhaltenderer Sozialminister Rudolf Hundstorfer, der "lernfähig" sei.

Zu dieser Fähigkeit bekannte sich denn auch der einstige ZiB-Anchorman besonders. "Ich habe Sie", sprach er die neuen Kollegen an, "noch nie so sehr bewundert für Ihren Mut, in die Politik gegangen zu sein, wie in den vergangenen Tagen."

Den traditionellen, von ihm allerdings nicht verwendeten Parteigruß abwandelnd, gelobte er Teamgeist. "Freund-Schaft allein ist zu wenig, aber gemeinsam werden wir es schaffen."

An der Außenwirkung des Neuen wird gefeilt. Raphael Sternfeld ist neuerdings für dessen Kommunikation zuständig, und er sagt, dass die umstrittenen Aussagen kein Thema mehr seien. Es gehe um die politischen Inhalte, um Jugendarbeitslosigkeit und die Finanztransaktionssteuer, darum, wie sich die SPÖ zwischen einer nationalistischen Allianz und den konservativen, neoliberalen Kräften aufstelle - und nicht um ein einzelnes Interview.

Medienberater

Sternfeld ist seit drei Jahren außenpolitischer Berater des Kanzlers, hat Politikwissenschaft studiert, einen Master in politischer Kommunikation gemacht - und er meidet die Öffentlichkeit. Dass er selbst medial als möglicher SP-Kandidat ins Spiel gebracht wurde, sei Unsinn. Er werde Freund jetzt medial betreuen, der werde sicher rasch in seine neue Rolle finden und auf sein Team hören.

Die virtuelle Debatte über Freunds Positionierung ist aber natürlich längst noch nicht zu Ende. Auch am Montag wurden seine Aussagen in den Internetforen intensiv diskutiert - und kaum gutgeheißen. Auf Facebook und Twitter mokierten sich die User über Freunds Selbstdarstellung, das mangelnde Feedback der SP, die fehlende Strategie. Einige, wenn auch wenige, halten das "Freund-Bashing" für völlig unangemessen. Dass sich auch Freunds ehemalige Kolleginnen und Kollegen im ORF lebhaft an der Debatte beteiligen, erschwert die Sache für die Parteistrategen.

Mit Aussagen, es hätte im ORF auch attraktivere Kandidatinnen oder Kandidaten gegeben, die allerdings nicht so viel im Kopf hätten, und der Anspielung auf Barbara Karlich als "diese Burgenländerin" hat sich Freund viele Sympathien verscherzt. (Michael Völker Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 21.1.2014)

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