Arbeitsmarkt bleibt für Junge ein Minenfeld

21. Jänner 2014, 05:30
111 Postings

Weltweit waren vergangenes Jahr 202 Millionen Menschen ohne Job, besonders betroffen bleiben die Jungen. Die Sparpolitik hält die ILO für mitentscheidend

Unter den größten Risikofaktoren, die über ganze Länder und Industriezweige weltweit hinweg erheblichen ökonomischen Schaden anrichten könnten, firmiert für die Wirtschafts- und Politikelite die prekäre Lage der jungen Menschen. Die doppelte Herausforderung der schlechten Beschäftigungschancen bei gleichzeitig steigenden Bildungskosten für jene Menschen, die im aktuellen Jahrzehnt volljährig werden, wurde im dieser Tage veröffentlichten Global Risk Report ganz besonders hervorgehoben. Kein Wunder: In manchen Industriestaaten ist mehr als die Hälfte der jungen Menschen auf Arbeitssuche.

Auf dem globalen Arbeitsmarkt sind die Folgen der Finanzkrise nach aktuellen Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) auch nach mehr als fünf Jahren noch deutlich zu spüren. Weltweit seien 2013 rund 202 Millionen Menschen ohne Arbeit gewesen, heißt es im aktuellen ILO-Jahresbericht. Das seien rund fünf Millionen mehr Arbeitslose gewesen als ein Jahr zuvor.

Jugend ohne Job: Auch dieses Problem wird nicht kleiner, allen Anzeichen für eine sanfte Erholung der Konjunktur zum Trotz. Junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sind dem Bericht der UN-Organisation zufolge besonders stark von dem Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen. Besser dürfte die Lage so rasch nicht werden. Ganz im Gegenteil. Trotz der wirtschaftlichen Belebung wird die Zahl der Arbeitslosen in der Eurozone nach allgemeinen Schätzungen insgesamt weiter auf einen Rekordwert steigen. 2014 wird sie um 100.000 oder 0,5 Prozent auf durchschnittlich 19,3 Millionen zunehmen, hat jüngst die Wirtschaftsberatung EY (früher Ernst & Young) prognostiziert. "Die hohe Arbeitslosigkeit, vor allem die Jugendarbeitslosigkeit, ist die wichtigste Herausforderung für die Politik in Europa", sagte dazu der Mannheimer Ökonom Clemens Fuest, der im Wissenschaftlichen Beirat von EY sitzt.

Keine Besserung in Sicht

Dass die Dramatik der Lage bekannt ist, macht die Sache kaum besser. Für das Jahr 2018 rechnet die ILO mit insgesamt 215 Millionen Jobsuchenden. Wegen des gleichzeitigen Anstiegs der Bevölkerung werde sich die Situation in den kommenden Jahren kaum verbessern. Als wesentliche Ursache für die weltweite Rekordarbeitslosigkeit sieht die ILO eine anhaltend schwache Nachfrage. Die Sparpolitik vieler entwickelter Ländern erschwere einen schnelleren Anstieg der Wirtschaftsleistung. Eine Änderung dieser Wirtschaftspolitik könne nach Meinung der ILO zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen. In den 20 führenden Industrienationen könne sie in den nächsten sechs Jahren um bis zu 1,8 Prozentpunkte sinken. Dies könne zu 6,1 Millionen neuen Jobs führen.

Dass in manchen europäischen Ländern so viele junge Menschen keinen Job haben, wird zur sozialen Bombe, auch dieser Gefahr sind sich die Regierungen mittlerweile bewusst. Ganz abgesehen von der rein monetären Seite des Problems. Der volkswirtschaftliche Verlust, der dadurch entsteht, dass junge Menschen von 15 bis 29 Jahren weder am Arbeitsmarkt beschäftigt noch in Ausbildung sind, wurde allein für das Jahr 2011 auf 153 Milliarden Euro geschätzt. Dies entspricht etwa 1,2 Prozent des gesamteuropäischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), wie die europäische Agentur Eurofound damals feststellte. Und die Zahlen sind gestiegen: Im Jahr 2008 hatten sich die Kosten auf "lediglich" 120 Milliarden Euro oder ein Prozent des BIPs belaufen.

Auf der Suche nach Rezepten

Allein die Rezepte, um die Lage zu lindern, scheinen laut den aktuellen ILO-Zahlen nicht so recht zu funktionieren. 74,5 Millionen junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren hatten im vergangenen Jahr keinen Job, eine Million mehr als im Jahr davor. Die globale Arbeitslosenrate für Jugendliche ist demnach mit 13,1 Prozent fast dreimal so hoch wie die für Erwachsene. Die Zahl der Beschäftigten nahm zum Beispiel in Portugal, Irland und Griechenland zwischen 2007 und 2012 um 1,6 Millionen ab. Bei etwa 75 Prozent habe es sich um die Jobs jüngerer Arbeitnehmer gehandelt.

Die ILO-Experten loben zwar die Anstrengungen der Europäischen Union - im Sommer vergangenen Jahres wurde etwa ein Milliardenprogramm angekündigt -, gegen die Jugendarbeitslosigkeit vorzugehen. Allerdings seien keine messbaren Auswirkungen zu verzeichnen. In Österreich - in Sachen Jugendarbeitslosigkeit ohnehin gerne als Vorbild gehandelt - will die Regierung dem Problem bekanntlich mit einer Ausbildungspflicht zu Leibe rücken. Ob dieses Rezept ebenfalls das Zeug zum nachahmenswerten Modell hat, muss sich allerdings erst erweisen. (rebu/flog, derStandard.at 21.1.2013)

  • Jugend ohne Job - ein soziale Bombe. Das Problem ist bekannt, allein die erfolgreichen Rezepte fehlen.
    foto: reutes/pozo

    Jugend ohne Job - ein soziale Bombe. Das Problem ist bekannt, allein die erfolgreichen Rezepte fehlen.

Share if you care.