Paris Fashion Week: Wie aus Opas Kasten

Ansichtssache20. Jänner 2014, 13:34
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Finale bei den Männermodeschauen in Paris: Was gefallen hat - und wovon man lieber seine Finger lassen sollte.

Die Männermodeschauen für kommenden Herbst und Winter sind vorbei, jetzt liegt es an den professionellen Einkäufern sich das herauszupicken, was im Herbst in den Geschäften liegen wird - und am Kunden dann auch zuzuschlagen. In den letzten Tagen der Pariser Schauen gab es durchaus einiges, das ins Auge gestochen ist. Zum Beispiel die Tops mit den abstrakten Prints bei Givenchy. Mit seinen Rottweiler- und Madonnen-Motiven hat Givenchy-Designer Riccardo Tisci in den vergangenen Saisonen die Modewelt entzückt. Vielleicht schafft er das auch mit seinen neuen Pullis. Wobei: Das Thema seiner Modeschau war Basketball meets Bauhaus. Klingt wie schwere Kost, am Laufsteg war Givenchy aber eine der stärksten Kollektionen. Zum Gesichtsnetz wird man allerdings nicht gleich greifen müssen.

foto: apa/epa/yoan valat

Givenchy

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foto: ap/thibault camus

Givenchy

 

Das Zeug zum Kult hat auch die neue Kollektion von Kris Van Assche für Dior Homme. Sie ist wesentlich formaler ausgefallen als in der Vergangenheit. Der Clou liegt in den Details. Da gibt es Anzüge aus unterschiedlichen Nadelstreif-Stoffen (in einem Kleidungsstück), Outfits mit Pünktchen- oder Sternmuster (von den Schuhen bis zur Krawatte), Pullis mit Veilchenmotiven (sie waren die Lieblingsblumen von Christian Dior). Einhellige Meinung: die stärkste Kollektion, seit Kris Van Assche Hedi Slimane beerbt hat.

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foto: ap/jacques brinon

Dior Homme

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foto: ap/jacques brinon

Dior Homme

 

Hedi Slimane wiederum ist ja bei Saint Laurent gelandet. Und hat mittlerweile schon einige Saisonen bewältigt. Ob gut oder schlecht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Seine neue Herrenkollektion kreist jedenfalls wieder um sein Idealbild leptosomer Röhrenjeansträger.  Diesmal ist er ganz auf Teddys getunt. Sprich: die Sakkos sind überlang und schauen aus, wie aus dem Kasten des Opas, die Blousons und Biker-Jacketts haben Felleinsätze, die Krawatten sind schmal, die Schuhe spitz. Zugreifen sollte man bei den Mänteln, die Finger lassen von den Jeans. Die Zeit der Storchenbeine ist vorbei.

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foto: apa/epa/ian langsdon

Saint Laurent

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foto: apa/epa/ian langsdon

Saint Laurent

 

Ob Kenzos neue Kollektion genau so durch die Decke gehen wird wie in den vergangenen Saisonen, steht dagegen in den Sternen. Tigerprints waren diesmal keine dabei, ein bisschen mit dem Logo gespielt wurde dagegen schon. (die Marke ist mit dafür verantwortlich, dass Logos wieder groß im Kommen sind). Ein Hingucker sind die monsterhaften Schuhe: Gehen wird man damit aber nicht wollen. Inspiration war der Nordwesten der USA. Das ist nicht die modischste Gegend der Welt, aber genau das gefällt dem Hipster ja. Die finanzkräftigen unter ihnen haben Kenzo zu ihrem Lieblingslabel erkoren. Alle anderen sollten von den 80er-Jahre Pullis die Finger lassen. Insgesamt fiel die Kollektion sehr düster aus. Aber gut: Auch die Spaßgeneration kann nicht immer in Feierlaune sein.

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foto: ap/thibault camus

Kenzo

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foto: ap/thibault camus

Kenzo

 

Bei Hermès erübrigt sich beinahe die Frage, wie die Kollektion gefallen hat: Seit einer gefühlten Ewigkeit ist hier Véronique Nichanian am Ruder, genau so lange wird hier der gediegene 16te Arrondissement-Look gepflegt. Das muss man sich erst einmal leisten können. Diesmal im Programm besonders viele Lederhosen, Blousons mit farblich fein abgestimmten Patchwork-Elementen, wunderschöne Jacken und Mäntel. 

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foto: ap/jacques brinon

Hermès

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foto: ap/jacques brinon

Hermès

 

Die Zeiten als auch österreichische Designer auf dem Pariser Laufsteg ihre Mode zeigten, sind schon länger vorbei. Präsent sind aber einige von ihnen, zum Beispiel Petar Petrov. In einer kleinen Galerie am Marais zeigte er seine neuen Entwürfe. Und die würde man am liebsten sofort haben: Einknopf-Anzüge aus Kaschmir, körpernahe Pullis aus Mohair, Blousons mit Kaninchenfutter. Greift sich alles ganz wunderbar an, bis man die Teile kaufen wird können, müssen aber noch einige Monate vergehen. Wer es genau wissen will: In Wien wird Petar Petrov von Liska (Damen) und Park (Herren) geführt. Der Rest Österreichs ist leider Petrov-frei.

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foto: petar petrov

Petar Petrov

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foto: petar petrov

Petar Petrov (Stephan Hilpold, derStandard.at, 20.1.2014)

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