In China bremst sich Wachstum kräftig ein

20. Jänner 2014, 06:31
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Auch in diesem Jahr soll sich Wachstum wegen struktureller Reformen verlangsamen

Peking - Im zweiten Jahr in Folge wächst China so langsam wie zuletzt Ende der 90er-Jahre. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde legte im vergangenen Jahr nur um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, wie das Statistikamt am Montag in Peking berichtete. Der Anstieg der Wirtschaftsleistung lag damit auf dem gleichen Niveau wie 2012, als das Wachstum erstmals auf den niedrigsten Stand seit 1999 fiel.

Der Zuwachs liegt knapp über dem selbst gesteckten Wachstumsziel der Regierung von 7,5 Prozent, wenngleich diese Vorgaben in der Vergangenheit immer sehr vorsichtig gemacht und am Ende meist deutlich übertroffen worden waren. Allein im vierten Quartal legte die Wirtschaft etwas stärker als erwartet um 7,7 Prozent zu, lag aber unter dem Zuwachs im dritten Quartal von 7,8 Prozent.

In diesem Jahr soll sich das Wachstum noch weiter verlangsamen. Die Regierung strebt vorrangig strukturelle Reformen an und will dafür auch eine geringere Wachstumsrate hinnehmen. Sieben Prozent gelten aber als Untergrenze. Auf ihrem Plenum im November hat die neue kommunistische Führung beschlossen, den Marktkräften und der Privatwirtschaft künftig eine größere Rolle einzuräumen.

"Es wird noch schlimmer"

Die ursprünglich erhoffte Erholung blieb 2013 aus. Der Anstieg der Anlageinvestitionen kühlte sich zum Ende des Jahres weiter ab und erreichte im Gesamtjahr nur noch 19,6 Prozent. Das sind 1,1 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, wie das Statistikamt berichtete. Die Industrieproduktion wuchs auch nur mit 9,7 Prozent, nachdem 2012 noch zehn Prozent erreicht worden waren.

"Der Abschwung ist nicht zyklisch, sondern hat strukturelle Ursachen", sagte der frühere Professor an der Tsinghua Universität in Peking und heutige Chefstratege von Silvercrest Asset Management, Patrick Chovanec der dpa. "Es wird noch schlimmer, bevor es wieder besser wird." Wenn die Regierung ernsthaft strukturelle Reformen umsetzen wolle, werde sich das Wachstum weiter verlangsamen.

Große Sorgen bereitet den Planern die rasant gestiegene Verschuldung von Kommunen und Staatsbetrieben. Zu den finanziellen Risiken tragen ferner die wachsende Immobilienblase, die massive Ausweitung der Schattenbanken, dubiose Kreditvergabe und spekulative Vermögensverwaltungsprodukte bei.

Faule Kredite

Die Kreditvergabe wurde in der zweiten Jahreshälfte schon gedrosselt, doch will die Regierung nicht allzu stark auf die Bremse treten und das Wachstum abwürgen. Viele faule Kredite müssen jetzt aber refinanziert werden, so dass das Geld nicht der Wirtschaft zugutekommen kann. Experten rechnen auch mit möglichen Pleiten von Investmentgesellschaften und Vermögensverwaltungen, die nicht wie die großen Staatsbanken zum Kern des chinesischen Finanzwesens gehören.

Auch wenn die Wirtschaftsleistung in China nicht mehr zweistellig wächst, erscheint der Zuwachs der - nach den USA - zweitgrößten Wirtschaftsnation im Vergleich zu den Industrienationen weiter beeindruckend. Allerdings hat ein Schwellenland wie China auch großen Nachholbedarf und braucht hohes Wachstum, um die Probleme in seiner Entwicklung bewältigen zu können.

Chinas Notenbank stärkt Banken

Vor dem Neujahrsfest in China bewahrt zudem die Notenbank das Finanzsystem mit milliardenschweren Liquiditätsspritzen vor Engpässen am Geldmarkt. Mit einer Notfall-Kreditlinie wurden Großbanken entsprechende Mittel kurzfristig bereitgestellt, wie die Zentralbank am Montag auf ihrem Kurznachrichtendienst Sina Weibo mitteilte. Am Dienstag soll über spezielle Refinanzierungsmaßnahmen weitere Liquidität ins System gepumpt werden.

Viele Banken decken sich dort vor dem Ende des Monats anstehenden Neujahrsfest mit Liquidität ein, da Kunden und Firmen Geld für Geschenke und Bonuszahlungen benötigen. Die Nachfrage wird auch dadurch in die Höhe getrieben, dass sich sogenannte Schattenbanken wie Versicherer, Leasingfirmen und andere Kreditgeber außerhalb des klassischen Spektrums auf dem Geldmarkt tummeln. Zuletzt waren die Zinsen auf dem Geldmarkt auf den höchsten Stand seit sechs Monaten gestiegen. (APA, 20.1.2014)

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