SPD-Mann Patrick Dahlemann bietet der NPD Paroli

Kopf des Tages19. Jänner 2014, 17:43
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Couragierter Kämpfer gegen braunen Pöbel

Die NPD ist eine Partei mit menschenverachtender Ideologie und bietet nichts als Hetzparolen. Davon ist jeder deutsche Sozialdemokrat überzeugt. Doch kaum einer hat den Kampf gegen die rechtsextreme Partei je so direkt und couragiert aufgenommen wie Pa­trick Dahlemann.

Minutenlang stellte sich der 25-jährige SPD-Kommunalpolitiker aus Mecklenburg-Vorpommern auf eine Bühne der NPD und warnte bei einer Kundgebung vor der Partei. Eindringlich bittet er, nicht auf deren "menschenverachtende Parolen" und "Plattitüden" hereinzufallen. Und er bietet den Zuhörern und Zuhörerinnen immer wieder sachliche Informationen zur Asylpolitik an, erklärt auch, dass er die Ängste der Menschen verstehe.

Ereignet hat sich der Auftritt im vergangenen Sommer in Torgelow, einem 8700-Einwohner-Städtchen im äußersten Nordosten Deutschlands, wo eine Unterkunft für Asylwerber errichtet werden soll. Die NPD nutzte dies für eine ihrer Kundgebungen. Dahlemann ist auch vor Ort, und als ihm ein NPD-Funktionär das "offene Mikrofon"  anbietet, nimmt er an. 

Eine durch Fakten angereicherte Filmaufnahme seines Auftritts hat er jetzt ins Internet gestellt. Die NPD jedoch berief sich auf das Urheberrecht und ließ das Video löschen. Genutzt hat es ihr allerdings nicht viel. Im Gegenteil: Die Aufnahme hat sich rasend schnell im Netz verbreitet, Dahlemann ist zum Helden geworden.

Er sei "nervös" und mit einem "mulmigen Gefühl" auf die Bühne gestiegen, erklärt Dahlemann. Doch er sei entschlossen gewesen, sich und somit alle Demokraten nicht vorführen zu lassen. Natürlich habe er die Pöbeleien mitbekommen. "Aber es gab auch positive Reaktionen von vielen Bürgern, die nach und nach dazugekommen sind. Die haben mir danach viel Mut zugesprochen."  

Engagement habe ihm immer schon Freude bereitet, sagt Dahlemann. Mit 16 tritt der Sohn einer Sekretärin und eines Forstarbeiters in die SPD ein, er studiert Jus und Öffentliches Recht in Greifswald. "Jungen Menschen eine Perspektive zu geben und soziale Gerechtigkeit voranzubringen" ist seine Motivation in einem Landkreis, der fernab prosperierender Regionen liegt. 

2009 wird er als Direktkandidat in den Kreistag und in die Torgelower Stadtverwaltung gewählt. Den Einzug in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern verpasst er 2011 nur knapp. Jetzt jedoch dürften dem 25-Jährigen in der SPD noch einige Türen mehr offenstehen. (Birgit Baumann /DER STANDARD, 20.1.2014)

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    foto: apa/epa/naupold
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