Causa Buwog: Noch mehr Ungereimtheiten

19. Jänner 2014, 17:46
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Karl-Heinz Grassers Gattin kommt wegen einer "Ohrringe-Zahlung" im Buwog-Akt vor. Der Sachverständige sieht weitere Hinweise, dass sie hinter einem Briefkasten in Belize stecke

Wien - Im Geflecht von Briefkastenfirmen in Zypern, Belize oder Liechtenstein in der Causa Buwog tauchen immer mehr Ungereimtheiten auf. Eine zentrale Figur bei den Ermittlungen ist Norbert Wicki, Vermögensverwalter von Marina Giori-Lhota und Walter Meischberger. Gutachter Gerhard Altenberger vermutet allerdings, dass diverse Finanztransaktionen über den Briefkasten Mandarin in Belize mit den Buwog-Provisionen in Verbindung stehen.

In der Stellungnahme Altenbergers, die dem Standard vorliegt, werden die Aussagen von Wicki hinterfragt. Der hatte die Herkunft der Mittel anlässlich der Kontoeröffnung bei der Raiffeisenbank Liechtenstein Ende 2007 auf die "Erbschaft meiner Mutter" zurückgeführt. Als wirtschaftlich Berechtigte wurde Inge Wicki angegeben. Nach der Selbstanzeige Meischbergers am 18. 9. 2009 gibt Norbert Wicki plötzlich sich als wirtschaftlich Berechtigten bekannt. Anstatt der Erbschaft werden diverse andere Herkunftsquellen genannt. Darunter Kreditprovisionen von einem russischen Unternehmer, ein "Startgeld" von Giori-Lhota bei seiner Firmengründung und Rückzahlungen jener 500.000 Euro samt Rendite, die der frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser angeblich für seine Schwiegermutter veranlagt hatte.

Auf dem Raiffeisenkonto wurde beispielsweise eine Bareinzahlung von 943.000 Euro vorgenommen, die laut Wicki aus Provisionen für die Vermittlung von Finanzierungen für den russischen Unternehmer Igor G. stammten. Wie Altenberger festhält, mache der Betrag bei der angegebenen Finanzierung von zwölf Mio. Euro acht Prozent der Kreditsumme aus. Marktüblich wären ein bis drei Prozent.

Hohe Zinsdifferenz

Außerdem wurden lediglich Kreditverträge im Volumen von vier Mio. Euro belegt. Zeuge G. selbst erklärte die Höhe der Kreditgebühr mit der hohen Differenz zwischen den Zinsen des abgeschlossenen Darlehens und jenen, die in Russland fällig geworden wären. Weder er noch seine Mitarbeiter "haben je Bargeld an Norbert Wicki übergeben", hielt G. fest. Und auch bei der Bank verzichtete der Treuhänder darauf, diese Herkunft der Mittel anzugeben. Weshalb Altenberger schlussfolgert, dass die russischen Provisionen als Grund für die Bareinzahlungen "nicht nachvollziehbar" seien.

Auch bei der Erklärung von Wickis Startgeld gibt es Widersprüche. Laut den Rechtsvertretern der Mandarin, die Kanzlei Batliner Wanger Batliner, habe Giori-Lhota dem Treuhänder 100.000 Euro zukommen lassen, als sich dieser im Jahr 2000 selbstständig gemacht habe. Diese Mittel plus 24.000 Zinsen habe Wicki an deren Briefkasten zurückgezahlt. Allerdings wird ausgeführt, dass Wicki zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht selbstständig gewesen sei - zum Unternehmer mutierte dieser nach Tätigkeiten bei diversen Banken erst 2003. Das geht aus einer Dokumentation, die von Wickis Rechtsvertreter Herbert Eichenseder eingeholt wurde.

Die Rückzahlung des ominösen Startgelds und die von Giori-Lhota angeblich ihrem Schwiergersohn zur Veranlagung geliehenen Mittel samt Erträgen (783.971,50 Euro) wurden von Wicki dann in einem neuen Vehikel, der Catherine Participation Corp. in Belize, gebunkert. Auch bei diesem Briefkasten treten Auffälligkeiten zutage: Im Oktober 2009 wird die Vermögensverwaltung gekündigt, abgesendet wird das nicht unterfertigte Schreiben von Marina Giori-Langes. Das entspricht dem früheren Namen von Grassers Schwiegermutter, den sie seit 2007, dem Zeitpunkt ihres neuen Ehestands, in Giori-Lhota umgeändert hat.

Sache der Beweiswürdigung

Die Auflösung der Widersprüche nimmt Gutachter Altenberger nicht vor, "das obliegt der Beweiswürdigung". Er schreibt allerdings von "Hinweisen darauf, dass Fiona Pacifico Griffini Grasser wirtschaftlich Berechtigte war bzw. noch immer ist". Diese Hinweise ergeben sich aus einer Korrespondenz Wickis mit einer unbekannten Person, bei der es um die Verbuchung von 25.000 Euro über "Catherine" geht. Nach einem Für und Wider dieser Zahlung heißt es: "Dann könnten wir die Referenz angeben: Ohrringe für Fiona G."

Diese Ungereimtheiten setzen sich in einer Tour fort. In einem weiteren nicht unterfertigten Schriftstück an die kontenführende Bank von Catherine, die HypoSwiss, erklärte Wicki, die wirschaftlich Berechtigte habe keine Verwendung mehr an dem Vehikel und verkaufe diesen an "ihre Mutter". (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, 20.1.2014)

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