"Großprojekte nehmen Druck vom Wiener Wohnungsmarkt"

17. Jänner 2014, 17:22
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Josef Schmidinger, Generaldirektor der s Bausparkasse, ortet bereits jetzt einen spürbaren Rückgang der großen Nachfrage

Nach mehreren Jahren starker Preissteigerungen sowohl bei Mieten als auch im Eigentum steht dem Wiener Wohnungsmarkt eine Phase der Beruhigung bevor – davon ist zumindest Josef Schmidinger, Vorstand der s Wohnbaubank, überzeugt. "Wir sind über dem Kulminationspunkt der Preisanstiege drüber", es werde nun zu einer gewissen Entlastung bei den Mieten kommen, erwartet Schmidinger, der auch Generaldirektor der s Bausparkasse ist. Mieten von derzeit 14 oder 15 Euro je Quadratmeter würden sich "wahrscheinlich wieder in Richtung 11 bis 12 Euro bewegen", glaubt er.

Hauptbahnhof, Seestadt etc.

Als Beleg dafür führte Schmidinger am Donnerstagabend auf einem Pressegespräch in Wien den Umstand an, dass Großprojekte wie die Bebauung des Hauptbahnhof-Areals zuletzt schon für einen spürbaren Rückgang der großen Nachfrage gesorgt hätten. Dies werde ihm aus der konzerneigenen Maklergesellschaft berichtet, so Schmidinger.

Rund 8.000 bis 10.000 Wohnungen kämen nun jährlich auf den Markt, neben dem Hauptbahnhof auch in der Seestadt Aspern, wo die große Vermarktung erst beginne. Auch die Widmungen seien zuletzt beschleunigt worden, außerdem erwartet Schmidinger für die nächsten 20 Jahre einen etwas geringeren Bevölkerungszustrom, als allgemein angenommen wird – wegen des nicht im selben Ausmaß wachsenden Arbeitsmarkts.

Wohnbauanleihen stark gefragt

Schmidinger berichtete am Donnerstag auch, dass die von seinem Haus emittierten Wohnbauanleihen im Vorjahr überraschend stark nachgefragt waren – nämlich "trotz der derzeit äußerst niedrigen Zinsen". Die s Wohnbaubank emittierte im Vorjahr 216,4 Millionen Euro, das war ein Plus von 75 Prozent und "das beste Ergebnis seit fünf Jahren", sagte Schmidingers Vorstandskollege Ernst Karner. Am Gesamtmarkt wurden rund 1,2 Milliarden Euro emittiert.

Auch heuer sei die Nachfrage sehr gut, schon in den ersten eineinhalb Wochen wurden 20 Millionen Euro abgesetzt. Wohnbauanleihen seien von einem Randprodukt wieder zu einem Breitenprodukt geworden, sagte Karner. Seit Jahresbeginn habe die s Wohnbaubank wieder drei Anleihen im Portfolio, darunter auch eine variable Variante. Die fix verzinste Wohnbauanleihe mit monatlicher Ausschüttung läuft elf Jahre und ist mit einem Kupon von 2,4 Prozent ausgestattet. Weil Wohnbauanleihen bis zu einer Verzinsung von vier Prozent von der KESt befreit sind, sei dies mit einer 3,2-prozentigen Anleihe vergleichbar, so Schmidinger.

Zweckgebundene Mittel

Das über Wohnbauanleihen aufgebrachte Geld muss innerhalb von drei Jahren zur Finanzierung von Wohnbauten verwendet werden. "Damit stellen Wohnbauanleihen neben dem Bausparsystem die einzige Wohnbauförderung mit gesetzlicher Zweckbindung dar", sagte Schmidinger. Zum Großteil wird damit der gemeinnützige Sektor bedient, wozu freilich auch gewerbliche Töchter von gemeinnützigen Bauvereinigungen gehören. (Martin Putschögl, derStandard.at, 17.1.2014)

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    foto: derstandard.at/matzenberger

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