Norwegen stellt 130.000 Bücher kostenlos ins Internet

17. Jänner 2014, 17:20
10 Postings

Vereinbarung mit zahlreichen Autoren und Verlagen

Krimis von Jo Nesbö, Romane von Nobelpreisträger Knut Hamsun, Gruseliges von Stephen King: All das können Norweger bald kostenlos im Internet lesen. Unter bokhylla.no (norwegisch für Bücherregal) bietet die Nationalbibliothek bereits rund 135.000 Titel an, 250.000 sollen es einmal werden. Autoren und Verlage werden über einen Dachverband für die Digitalisierung der Werke bezahlt.

Es handle sich um das erste Angebot, bei dem online urheberrechtlich geschützte Bücher kostenlos verfügbar gemacht werden, sagt die Chefin der Nationalbibliothek, Vigdis Moe Skarstein. Veröffentlicht werden Werke, die vor dem Jahr 2001 erschienen sind.

Vereinbarung mit Verlagsverband

Dass nun viele Schriften von einheimischen Autoren und übersetzte Werke aus aller Welt im digitalen Bücherregal stehen, wurde durch eine Vereinbarung der Nationalbibliothek mit dem Verband Kopinor ermöglicht. Diese Dachorganisation vertritt über 22 Mitgliedsverbände die Interessen von Autoren und Verlagen.

Für jede digitalisierte Seite - egal, ob aus einem Bestsellerroman oder einem kaum gelesenen Buch - zahlt die Bibliothek an Kopinor eine festgelegte Summe. Im vergangenen Jahr waren es zunächst 0,36 Kronen (rund 4,3 Cent), bis zum kommenden Jahr sinkt die Summe auf 0,33 Kronen (rund 3,9 Cent). Kopinor verteilt das Geld später an Verlage und Autoren - der Schlüssel dafür wurde allerdings noch nicht festgelegt.

Opt-out

Wer seine Werke nicht kostenlos im Netz sehen will, kann eine Löschung verlangen. Dies ist bis dato rund 3.500 Mal passiert. Die meisten Werke, die wieder entfernt wurden, waren nicht etwa berühmte Bestseller, sondern Kinder- und Schulbücher, mit denen Verlage vergleichsweise viel Geld verdienen können.

Die Buchverkäufe in Norwegen scheinen von dem neuen Angebot nicht beeinträchtigt. Bibliothekschefin Moe Skarstein ist überzeugt, dass ihre Datenbank insbesondere Büchern, die nicht mehr erhältlich sind, ein "zweites Leben" schenken kann. Bücher würden mehr und mehr "vergängliche Güter", sagt sie. "Wenn der Reiz des Neuen verfliegt, geraten sie in Vergessenheit." 85 Prozent der bis dato digital veröffentlichten Bücher wurden bereits von Nutzern angeschaut - deren Interesse gilt also nicht nur den Bestsellern.

Nur für Norweger und Forscher

Auf ihren Rechner herunterladen können die Benutzer die Bücher allerdings nicht. Außerdem ist die Datenbank nur für Internetnutzer in Norwegen und für im Ausland ansässige Forscher zugänglich.

Ob das Modell auch für andere Länder funktionieren könnte, ist fraglich. In Norwegen hatte das Projekt den Vorteil, dass die Zahl der Rechteinhaber überschaubar ist. "In anderen Ländern müsste zunächst eine Übereinkunft unter all denjenigen erreicht werden, die Urheberrechte besitzen", sagt Kopinor-Chef Yngve Slettholm. Es sei aber schwer, alle Betroffenen überhaupt ausfindig zu machen. Somit bleibt das digitale Bücherregal vorerst wohl eine norwegische Spezialität. (APA/AFP, 17.01.2014)

  • Rund 130.000 Bücher sind aus dem Inland und im Ausland ansässige Forscher zugänglich.

    Rund 130.000 Bücher sind aus dem Inland und im Ausland ansässige Forscher zugänglich.

Share if you care.