Skitourengeher auf der Suche nach Schnee

17. Jänner 2014, 17:19
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"Schneekönigin" und "Eisbrecher": Die Kapruner Kitzsteinhorn-Gletscherbahnen haben seit Herbst 2013 spezielle Routen und Angebote für Tourengeher im Programm

"Eigentlich", sagt Maria Hofer, "eigentlich haben wir das Angebot ja für den Herbst und das Frühjahr entwickelt." Wenn aber der Winter so schneearm wie der aktuelle sei, dann würden die Tourengeher vermehrt auch im Hochwinter aufs Kitzsteinhorn kommen, sagt die Marketingchefin der Kapruner Kitzsteinhorn-Gletscherbahnen.

Die Gletscherbahnen haben auf den unvermindert anhaltenden Skitourenboom reagiert und seit Herbst 2013 spezielle Routen und Angebote für Tourengeher im Programm. "Schneekönigin" nennt sich eine "Damenstrecke", die von der Bergstation Langwiedboden (1976 m) über rund 470 Höhenmeter zum Alpincenter auf eine Seehöhe von 2450 Meter führt. "Eisbrecher" heißt wiederum die Verlängerung der Strecke für Männer - vom Alpincenter bis hinauf zur Bergstation der Maurerlifte zwischen Großem Schmiedinger und Maurerkogel.

Ungeschickte Geschlechterdifferenzierung

Die Geschlechterdifferenzierung bei der Namensgebung wirkt reichlich ungeschickt, zumal sie die Leistungsfähigkeit der Skitourengeherinnen unterschätzt. Und 900 Höhenmeter sind für die allermeisten Skitourengeher ja wohl ohnehin ein sprichwörtliches "Lercherl" - egal ob Mandl oder Weibl.

Obschon, eines soll man nicht unterschätzen: Es geht von 2.000 auf 3.000 Meter hinauf, und da wird die Luft schon "dünner", wie man so sagt. Das bedeutet, der Sauerstoffpartialdruck ist geringer als unten im Tal. Und wer nur auf einen Tag hier heraufkommt, ist natürlich nicht akklimatisiert. Da kommt man auch bei gemäßigterem Tempo schon ins Schnaufen.

Damit wollen die Gletscherbahnen im Herbst freilich auch Kundschaft anlocken: Die Höhenlage steigert den Trainingseffekt. Das Angebot (eine Berg- und Talfahrt kommen auf 18 Euro) richtet sich daher vor allem an jene Ausdauersportler, die die klassischen Skibergsteiger oft etwas abschätzig als "Trainierer" abkanzeln. Trainiert wird vor allem für Pistenrennen - etwa für die legendäre Saalbacher "Mountain Attack.

Spezielles kulinarisches Angebot

Zusätzlich zu neuen Routen gibt es für die Tourenfreaks auch noch ein spezielles kulinarisches Angebot im Alpincenter: Kohlehydratreiches samt alkoholfreien Getränken von einer eigenen "Tourenmenükarte".

Am Kitz selbst finden inzwischen übrigens auch Rennen statt. Am 12. April dieses Jahres organisiert der Neukirchener Hans-Peter Kreidl (www.skitourenwinter.at) die zweite Auflage des "Kitzsteinhorn-Extreme". Es geht vom Kapruner Dorfplatz bis auf den Gipfel des Kitzsteinhorns - das macht in Summe 18 Kilometer und rund 2.500 Höhenmeter.

So dramatisch müssen wir es freilich nicht angehen. Der in Pistennähe oder am Pistenrand verlaufende Anstieg legt zwar unmittelbar ab dem Langwiedboden die ersten dreihundert Höhenmeter einen etwas steileren "Kaltstart" hin, je höher man aber steigt, umso mehr lehnt sich das Gelände zurück. Es geht also in Summe doch eher gemächlich dahin.

Hochalpine Gipfelschau

Dabei bleibt genug Zeit zum Schauen und Staunen. Auch wenn rund um die Skistationen der Skizirkus brummt, ein paar Meter weiter weg stellt sich doch schnell Hochgebirgsfeeling ein. Auf der anderen Talseite des Kitzsteinhorngletschers bauen sich Hoher Tenn und Großes Wiesbachhorn auf, zwei der ganz Großen in den Ostalpen.

Wer am Maurerlift oben angekommen ist, muss unbedingt noch einige Meter Richtung Maurerkogel, fast eben, weiterwandern. Knapp vor dem Gipfelaufschwung öffnet sich eine kleine Scharte und bietet eine Gipfelschau, die sogar abgebrühte Alpinisten ins Schwärmen geraten lässt. Neben dem Glockner die Dreitausender rund um die Rudolfshütte und knapp dahinter der Venediger. (Thomas Neuhold, Album, DER STANDARD, 18.1.2014)

  • Es geht von 2.000 auf 3.000 Meter hinauf, und da wird die Luft schon "dünner", wie man so sagt.
Im Bild das Kitzsteinhorn (links hinten), im Vordergrund der Maurerkogel.
    foto: thomas neuhold

    Es geht von 2.000 auf 3.000 Meter hinauf, und da wird die Luft schon "dünner", wie man so sagt.

    Im Bild das Kitzsteinhorn (links hinten), im Vordergrund der Maurerkogel.

  • Anreise: Mit den ÖBB nach Zell am See, danach Linienbus Nr. 660 über Kaprun bis zur Talstation der Bergbahn auf das Kitzsteinhorn (www.kitzsteinhorn.at).
Route: Die markierte Skiroute Langwied-boden-Alpincenter-Bergstation Maurerlift orientiert sich am Pistenverlauf, weicht aber je nach Bedingungen von der gesicherten Piste einige Meter ab. Abfahrt wie Anstieg.
Gefahren: Trotz Pistennähe: Es handelt sich um eine Tour im hochalpinen Gebiet. Entsprechende Kleidung, Sonnenschutz, Sonnenbrille notwendig. Abseits der gesicherten Pisten Lawinengefahr beachten (www.lawine.salzburg.at).
Ausrüstung: Skitourenausrüstung samt Notfallausrüstung, Helm für die Abfahrt auf der Piste unbedingt empfehlenswert.
Einkehr: Gastronomie im Alpincenter und am Langwiedboden.
Karte: AV-Karte Nr. 40, "Großglocknergruppe", 1:25.000
    grafik: der standard

    Anreise: Mit den ÖBB nach Zell am See, danach Linienbus Nr. 660 über Kaprun bis zur Talstation der Bergbahn auf das Kitzsteinhorn (www.kitzsteinhorn.at).

    Route: Die markierte Skiroute Langwied-boden-Alpincenter-Bergstation Maurerlift orientiert sich am Pistenverlauf, weicht aber je nach Bedingungen von der gesicherten Piste einige Meter ab. Abfahrt wie Anstieg.

    Gefahren: Trotz Pistennähe: Es handelt sich um eine Tour im hochalpinen Gebiet. Entsprechende Kleidung, Sonnenschutz, Sonnenbrille notwendig. Abseits der gesicherten Pisten Lawinengefahr beachten (www.lawine.salzburg.at).

    Ausrüstung: Skitourenausrüstung samt Notfallausrüstung, Helm für die Abfahrt auf der Piste unbedingt empfehlenswert.

    Einkehr: Gastronomie im Alpincenter und am Langwiedboden.

    Karte: AV-Karte Nr. 40, "Großglocknergruppe", 1:25.000

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