Bewegung in alle Richtungen in der Karrierenzukunft

Gastkommentar19. Jänner 2014, 17:55
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Das Triple-A: anytime, anywhere, always on

Falls Sie zwischen 1965 und 1980 (als Ausgeburt der Generation X) oder zwischen 1981 und 2001 (Generation Y) geboren wurden, gehört Ihnen die Karrierezukunft. 2025 werden Sie entweder zwischen 45 und 60 oder 24 und 44 Jahren alt sein - und Karriere machen.

Der Forschung nach wird dies wie folgt aussehen:

  • Warum Sie arbeiten werden Karrierezufriedenheit ist das neue Erfolgskriterium. Für die Generation Y sind hier Work-Life-Balance und Sicherheit (aber nicht Stabilität der Beschäftigungsverhältnisse) maßgebliche Determinanten, für die Generation X Autonomie und lebenslanges Lernen. Materielle Belohnungen wie Gehalt und Statussymbole sind zwar nicht irrelevant, aber sekundär.
  • Mit wem Sie arbeiten werden Ein Großteil der "Babyboomer"-Generation (die nun zwischen 61 und 79 Jahren zählt) ist bereits in Pension. Dieser Braindrain ist in Ländern wie Österreich, in denen der altersbedingte Ruhestand als geheiligtes Recht angesehen wird, größer als beispielsweise im angloamerikanischen Raum. Dort zeigen Studien, dass gut 62 Prozent weiterhin arbeiten wollen oder müssen. Hierzulande sind es schätzungsweise um die 40 Prozent.

In jedem Fall gibt es eine größere Diversität der Belegschaft (altersbedingt, aber auch in Bezug auf Migration und andere Dimensionen).

  • Für wen Sie arbeiten werden Durch die Verflachung organisationaler Hierarchien und die Pluralisierung von Lebensentwürfen finden Karrieren weiterhin zunehmend außerhalb von Organisationen statt. Zwar wünschen sich die meisten organisationale Karrieren - vermutlich arbeiten aber die Hälfte von uns als Contingent Workers, Teilzeitarbeitskräfte, Consultants oder Freelancer.
  • Wie und wo Sie arbeiten werden Die Technologisierung vernebelt die Trennung zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit weiterhin und generiert neue Formen der Zusammenarbeit.

Damit ist nicht nur der Arbeitsplatz gemeint, auch die reguläre Arbeitszeit ist einem 16-Stunden-plus-Zeitfenster gewichen, das allen Flexibilitätserfordernissen genügt. Zwar zeigen Resilienzstudien, dass dies gesundheitlich bedenklich ist und die Anzahl psychischer Erkrankungen zunimmt - ein Umdenken hat aber nicht stattgefunden. Flexpatriation, also die zeitweise Entsendung, löst in Kombination mit virtuellen Teams Expatriation oder "echtes" Pendeln ab.

  • Woran Sie arbeiten werden Ein Verständnis menschlicher Verhaltensweisen am Arbeitsplatz, Kooperationsfähigkeit und Motivationsvermögen gelten als zentral. Kritischere Stimmen verweisen auf eine Zunahme von "Bullshit Jobs" (wie Hundewäscher oder 24-Stunden-Pizzalieferantinnen), die es nur deshalb gibt, weil alle anderen in einem 16-Stunden-plus-Zeitfenster arbeiten und diese Dienste daher brauchen.

Alter Wein in neuen Schläuchen? Alles wird also anders, aber gleich sein. Kaminkarrieren werden so gut wie verschwunden sein, Bewegungen in alle Richtungen (auch nach unten) die Normalität darstellen. Ob in diesem Karriere-Triple-A - anytime, anywhere, always on - die Zufriedenheit, die gesucht wird, zu finden sein wird, sei dahingestellt. (Thomas Schneidhofer, DER STANDARD, 18./19.1.2014)

Thomas schneidhofer ist Assistant Professor am Interdisziplinären Institut für Verhaltenswissenschaftlich Orientiertes Management an der WU Wien.

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