Jans verewigte Liebe zu Judith

17. Jänner 2014, 18:04
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Im Angebot der in New York anberaumten Altmeister-Auktionen wartet Spektakuläres in vielerlei Gestalt

Auf den ersten Blick handelt es sich um ein typisches Werk des Jan Miense Molenaer, in dem er Genre-, Interieur- und Porträtelemente vereinte. Tatsächlich ist es jedoch ein ungewöhnliches "Dokument". Denn die Dargestellten sind der Künstler selbst sowie seine Ehefrau Judith Leyster, ebenfalls anerkannte Malerin, wie Vergleiche mit anderen Selbstporträts der beiden belegen.

Das gemeinsame Musizieren symbolisierte seit dem 17. Jahrhundert Harmonie und darin verborgen oft auch erotische Sinnlichkeit. In vorliegendem Fall wollen Kunsthistoriker keine Hinweise für eine sexuelle Beziehung erkennen, dazu datieren sie die Ausführung um 1635 und damit kurz vor der Vermählung der beiden. Fungierte das Gemälde als Hochzeitsbild oder womöglich gar als Heiratsantrag? Gesichert ist es nicht, vermutet darf es werden.

Das Gemälde wechselte einige Male den Besitzer, zuletzt bei Sotheby's (London, 190.000 Pfund) im Juli 1989. Nun soll es im Zuge der bevorstehenden New Yorker Old Master Week (28.-31. 1.) bei Sotheby's bis zu 900.000 Dollar einspielen. Daran bemessen ist es nicht das teuerste, aber motivisch wohl das reizvollste des 750 Positionen umfassenden Angebotes mit einem Schätzwertvolumen von 63 bis 90 Millionen Dollar.

Bergung der Monuments Men

Eine interessante Vorgeschichte können wiederum fünf Werke vorweisen, die im Sommer 1945 in Berchtesgaden von den Monuments Men sichergestellt und später an ihre jüdischen Vorbesitzer restituiert wurden. Dazu gehört etwa ein Gemäldepaar Jean-Baptiste Paters (300.000-500.000) aus der französischen Rothschild-Sammlung, das ehemals Görings Wohnzimmer zierte.

Im Ranking der zehn höchsten Zuschläge der Woche wird man eher auf andere Kaliber treffen: etwa ein bislang unbekanntes Gemälde von Jacob Ochtervelts aus der goldenen Ära der niederländischen Malerei, das eine Szene (mit Kind und Kindermädchen) im Foyer eines eleganten Stadthauses schildert und zumindest drei Millionen Dollar wert ist. Oder auch eine auf 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar taxierte Interpretation des Sommers von Pieter Brueghel d. J., wobei es sich um die früheste der insgesamt 20 Variationen handelt. Der Wochensieg wird Christie's vorbehalten bleiben, wo fünf Sitzungen um die 75 Millionen Dollar bringen sollen. Denn hier wartet beispielsweise das legendäre Rothschild-Gebetbuch, das 1999 von der Österreichischen Nationalbibliothek an die Erben nach Nathaniel und Albert Rotschild restituiert und im Juli des gleichen Jahres bei Christie's London für gigantische 164 Millionen Schilling den Besitzer wechselte. Bis heute gilt dieses Meisterwerk der Renaissance als teuerste illuminierte Handschrift und geht mit einer Taxe von zwölf bis 18 Millionen Dollar an den Start.

In die Kategorie Spitzenkandidat fällt weiters Jacopo Bassanos um 1562 ausgeführte (und signierte!) Anbetung der Hirten (8-12 Mio.), das als Schlüsselwerk des Venezianers gilt und bis vor kurzem als Leihgabe im Houston Museum of Fine Arts hing. (kron, Album, DER STANDARD, 18./19.1.2014)

  • Um 1635 schuf Jan Miense Molenaer diese Gemälde, in dem er sich gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Judith Leyster, ebenfalls anerkannte Malerin, verewigte. Das gemeinsame Musizieren symbolisierte Harmonie.
    foto: sotheby's

    Um 1635 schuf Jan Miense Molenaer diese Gemälde, in dem er sich gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau Judith Leyster, ebenfalls anerkannte Malerin, verewigte. Das gemeinsame Musizieren symbolisierte Harmonie.

  • 1999 wurde dieses Renaissance-Gebetsbuch seitens der Österreichischen Nationalbibliothek an die Erben nach Nathaniel und Albert Rothschild restituiert. Im Juli des gleichen Jahres wechselte es bei Christie's in London für gigantische 164 Millionen Schilling den Besitzer - nun steht es in New York zum Verkauf (Taxe 12-18 Mio. Dollar).
    foto: christie's

    1999 wurde dieses Renaissance-Gebetsbuch seitens der Österreichischen Nationalbibliothek an die Erben nach Nathaniel und Albert Rothschild restituiert. Im Juli des gleichen Jahres wechselte es bei Christie's in London für gigantische 164 Millionen Schilling den Besitzer - nun steht es in New York zum Verkauf (Taxe 12-18 Mio. Dollar).

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