Mexiko: "Bürgerpolizei" gibt geraubte Grundstücke zurück

17. Jänner 2014, 14:33
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Regierung versucht, den Bundesstaat Michoacán unter ihre Kontrolle zu bekommen - Milizen lehnen Entwaffnung ab

Michoacán - Während Alfredo Castillo, der frisch ernannte Bundeskommissar für die mexikanische Unruheprovinz Michoacán "sofort sichtbare Veränderungen" verspricht und die Regierung Fortschritte beim Versuch, die Kontrolle über die Region an der Pazifikküste zu erlangen, meldet, haben die örtlichen Bürgerwehren begonnen, Grundstücke zu verteilen.

Insgesamt 265 Hektar Avocadoplantagen, berichtet die Zeitung "La Jornada", seien bei einer Zeremonie auf dem Hauptplatz der Kleinstadt Tancítaro ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben worden, die zuvor von dem Drogenkartell "Tempelritter" von ihrem Land vertrieben worden waren.

Armee toleriert Straßensperren

Die Kämpfer der "Kommunalpolizei" gaben sich wenig beeindruckt von der Aufforderung, ihre Waffen abzugeben, am Donnerstag waren in mehreren Ortschaften Patrouillen und Straßensperren zu sehen, ohne dass Armee und Polizei etwas dagegen unternahmen.

"Sie sollen sich uns nicht in den Weg stellen, wir machen ja schon eine Zeitlang ihre Arbeit hier", sagte Bürgerwehrkommandant Hipolito Mora zu Reuters, "sie sollen zuerst einmal die Tempelritter entwaffnen und ihre Anführer festnehmen, dann legen auch wir die Waffen nieder". 

Moderne Waffen

Die teilweise mit hochmodernen israelischen Sturmgewehren ausgerüstete "Bürgerpolizei" verfügt laut eigenen Angaben über tausende Kämpfer, die in den vergangenen Wochen mehrere Städte eingenommen haben.

Bundespolizeichef Monte Alejandro Rubido Garcia räumte gegenüber dem Lokalblatt "La Voz de Michoacán" ein, dass die Bevölkerung das Vertrauen in die Sicherheitskräfte verloren habe. Die Staatsgewalt steht den einflussreichen Drogenbanden machtlos gegenüber. In dem durch Einnahmen aus dem lukrativen Drogenschmuggel in die USA finanzierten Konflikt sind landesweit seit 2007 über 80.000 Menschen ums Leben gekommen. (bed, derStandard.at, 17.1.2014)

  • Nueva Italia, 17. Jänner: Bürgerpolizist "El Love" begutachtet die Wohnung eines geflohenen Drogenhändlers.
    foto: reuters/jorge dan lopez

    Nueva Italia, 17. Jänner: Bürgerpolizist "El Love" begutachtet die Wohnung eines geflohenen Drogenhändlers.

  • Tancítaro, 16. Jänner: Milizkommandant Estanislao Beltrán Torres (kariertes Hemd) verkündet, dass 25 Avocadoplantagen ihren rechtmäßigen Besitzern übergeben werden.
    foto: ap photo/eduardo verdugo

    Tancítaro, 16. Jänner: Milizkommandant Estanislao Beltrán Torres (kariertes Hemd) verkündet, dass 25 Avocadoplantagen ihren rechtmäßigen Besitzern übergeben werden.

  • Frisch geerntete Avocados. Der Export der fettreichen Früchte ist der lukrativste (legale) Wirtschaftszweig Michoacáns.
    foto: ap photo/eduardo verdugo

    Frisch geerntete Avocados. Der Export der fettreichen Früchte ist der lukrativste (legale) Wirtschaftszweig Michoacáns.

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