Robert Schindel bekommt Heinrich-Mann-Preis

17. Jänner 2014, 13:06
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Der Autor knüpfe mit seinem formal reichen, vielgestaltigen Werk dort an, wo Heinrich Mann aufhören musste

Wien/Berlin - Zum zweiten Mal in Folge geht der Heinrich-Mann-Preis für Essayistik an einen österreichischen Autor. Wie die Berliner Akademie der Künste am Freitag mitteilte, erhält der Essayist, Romanautor, Lyriker und Regisseur Robert Schindel heuer den mit 8.000 Euro dotierten Preis. Die Preisverleihung findet am 27. März, dem Geburtstag Heinrich Manns, in Berlin statt.

Der Jury gehörte neben Norbert Miller und Hans-Dieter Schütt auch Robert Menasse an, der den Preis im Vorjahr erhielt. "Mit seinem formal reichen, vielgestaltigen Werk - Gedichte, Romane, Stücke, Libretti und Essays - knüpft Robert Schindel dort an, wo Heinrich Mann aufhören musste: bei der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, und entwickelt daraus ein großes Orchester von Stimmen und Stimmungen, Idiosynkrasien und Traumata, Glücksmomenten und Sehnsüchten, Vergessenem und Schwelenden, und dabei gelingt ihm, was nur große Literatur vermag: dass wir Zeitgenossen uns begreifen und Spätere uns verstehen", heißt es in der Jury-Begründung über das Werk des 69-Jährigen.

Robert Schindel wurde am 4. April 1944 in Bad Hall bei Linz als Kind österreichischer Kommunisten jüdischer Herkunft unter dem illegalen Namen Robert Soel geboren. Seine Eltern waren, getarnt als elsässische Fremdarbeiter, im September 1943 nach Österreich eingeschleust worden, um dort eine kommunistische Widerstandsgruppe aufzubauen. Nach ihrer Enttarnung wurden sie im August 1944 nach Auschwitz deportiert. Schindels Vater wurde im März 1945 in Dachau ermordet, seine Mutter überlebte Auschwitz und Ravensbrück und kehrte im Juli 1945 nach Wien zurück, wo sie ihren Sohn wiederfand.

Nach dem Abbruch der Schule und einer Buchhändlerlehre holte Robert Schindel die Matura nach und begann 1967 das Studium der Philosophie. Seit 1987 arbeitet er als freier Schriftsteller, seit 2009 lehrt er am Institut für Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichen gehören u.a. "Ohneland. Gedichte vom Holz der Paradeiserbäume 1979-1984" (1986), der auch verfilmte Roman "Gebürtig" (1992), die Essay-Sammlung "Man ist viel zu früh jung." (2011) sowie zuletzt 2013 der Roman "Der Kalte". (APA, 17.1.2014)

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