Wiener Spitäler sollen fahrlässig mit Patientendaten umgehen

17. Jänner 2014, 13:10
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Städtischer Rechnungshof: Mangelnder Schutz vor unbefugtem Zugriff und fehlende Verfügbarkeit durch lückenhafte oder späte Digitalisierung - Sparpotenzial bei externen Beratungsleistungen

Wien - Der Umgang mit Patientendaten in Wiener Spitälern lässt zu wünschen übrig. Dieser Ansicht ist der Stadtrechnungshof. Denn Krankengeschichten werden nach wie vor überwiegend händisch erstellt und erst - wenn überhaupt - im Nachhinein digitalisiert. Die Folge: Wichtige Daten für die Behandlung seien teilweise nicht verfügbar. Die Prüfer orteten zudem mangelnden Schutz vor Verlust und unbefugtem Zugriff.

Der Stadt-RH nahm drei Spitäler des Krankenanstaltenverbundes (KAV) - SMZ Ost/Donauspital, Rudolfstiftung und Wilhelminenspital - stichprobenartig unter die Lupe, wobei man sich auf Krankenhausaufenthalte im Jahr 2012 bezog. Die Einschau ergab, dass die EDV-Systeme zur Patientendokumentation noch nicht überall vollständig implementiert beziehungsweise anwendbar waren.

Daten auf Mikrofilm

Dadurch mussten diverse Aufzeichnungen - zum Beispiel Anamnese, Fieberkurve, Pflegedokumentation, Blutzucker- und Blutdruckkontrolle - händisch erfolgen. "Die vorgesehene nachträgliche Digitalisierung dieser Dokumente durch Scannen war nicht durchgängig gewährleistet, sodass für die Behandlung von Patientinnen bzw. Patienten wichtige Daten anderen Wiener Städtischen Krankenhäusern nicht zur Verfügung standen", heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Bericht. Im SMZ Ost/Donauspital beispielsweise wurden die Daten indes auf Mikrofilm gespeichert. Im Falle einer Digitalisierung erfolgte diese "häufig erst mit großer Zeitverzögerung".

Die Prüfer orteten außerdem mangelnde Datensicherheit - denn: "Die teilweise Aufbewahrung von Krankengeschichten in analoger Form trug den Anforderungen zum Schutz von Gesundheitsdaten vor Verlust, Zerstörung und unbefugtem Zugriff nur unzureichend Rechnung."

Das vom KAV angestrebte Ziel, durch elektronische Systeme das Arzt- und Pflegepersonal zu entlasten, sei ebenfalls nicht erreicht worden, meint der Stadt-RH. Denn da diverse Computerprogramme zusammengeführt werden müssen, sind die Mitarbeiter mit hohen Anforderungen in Sachen Bedienbarkeit konfrontiert. Daraus ergab sich für die Prüfer erhöhter Schulungsbedarf.

KAV gelobt Besserung

Der KAV gelobt in den im Bericht enthaltenen Stellungnahmen Besserung. Unter anderem wurde in Aussicht gestellt, die Kompatibilität der einzelnen elektronischen Schnittstellen zu erhöhen und die umgehende Digitalisierung händisch erstellter Dokumente voranzutreiben. Außerdem soll ein Schulungskonzept festgelegt werden.

Abgesehen von der Patientendokumentation interessierte sich der Stadt-RH auch für externe Beratungsleistungen, die der KAV in Anspruch genommen hat. Demnach haben sich die diesbezüglichen Ausgaben (ohne AKH, Anm.) zuletzt deutlich verringert - von 10,7 Mio. Euro im Jahr 2009 auf 5,5 Mio. Euro im Jahr 2012.

Allerdings wurde angemerkt, dass der KAV grundsätzlich auf eigenes Fachwissen zurückgreifen bzw. vermehrt mit Fachabteilungen der Stadt kooperieren sollte, um hohe Kosten zu vermeiden. Außerdem wurden "immer wieder" Mängel "im Hinblick auf eine ausreichende Bedarfsplanung bzw. Bedarfsprüfung, die Einholung von Vergleichsangeboten, die Prüfungen der Preisangemessenheit, die Dokumentation, die zeitliche Abfolge von getroffenen Maßnahmen sowie die Leistungs- und Rechnungskontrolle" entdeckt. (APA, 17.1.2014)

  • Der städtische Rechnungshof rügt die papierene Archivierung in einigen Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes.
    foto: christian fischer

    Der städtische Rechnungshof rügt die papierene Archivierung in einigen Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbundes.

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