"Innenstädte besser als ihr Ruf"

17. Jänner 2014, 11:58
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Laut einer Studie gibt es in innerstädtischen Einkaufsstraßen weniger Leerstand als in Einkaufszentren. Wie sich die Mariahilfer Straße entwickeln wird, ist für Experten noch offen

Wien - Viel bejammert, oft für tot erklärt: Der Handel in den innerstädtischen Einkaufsstraßen hat in den letzten Jahren vermehrt Konkurrenz von peripher gelegenen Einkaufszentren bekommen.

Eigentlich geht es ihm aber nicht so schlecht, zumindest laut der vom Beratungsunternehmen Standort+Markt durchgeführten "Dokumentation City Retail". Dafür wurden 16 Geschäftszonen in 15 Städten analysiert und hinsichtlich Branchenzugehörigkeit, Verkaufsfläche, Filialisierungsgrad und ihrer Lagequalitätszuordnung analysiert. Insgesamt 5900 Shops, 45 Geschäftsstraßenkilometer und eine Million Quadratmeter Geschäftsbereiche wurden dafür kartiert.

"Die Citys sind besser als ihr Ruf", resümierte Roman Schwarzenecker von Standort+Markt bei der Präsentation der Studie. Damit sei ein "terra incognita" erschlossen worden, weil vergleichbare Daten zwar für Shoppingzentren und Fachmärkte vorhanden seien, nicht aber für innerstädtische Einzelhandelsunternehmen.

Geringer Leerstand

Als "durchaus überraschend" waren für Schwarzenecker die erhobenen Leerstandsquoten in den Innenstädten. Trotz Ausreißern nach oben, etwa 8,7 Prozent in Villach, beträgt die durchschnittliche Leerstandsquote nur 3,3 Prozent, in den Einkaufszentren sind es im Schnitt 3,7 Prozent.

Auch der Branchenmix in der Innenstadt unterscheidet sich von den Shoppingzentren - 51 Prozent der Geschäfte in guter Lage sind innerhalb der Stadt dem Bekleidungssektor zuzuordnen, während das in den Einkaufszentren lediglich 30 Prozent sind.

Doch auch zwischen Österreichs Innenstädten gibt es Unterschiede: Während man im Schnitt - wenig überraschend - im "Goldenen U" in der Wiener City mit 260 Euro pro Quadratmeter und Monat am meisten Miete bezahlt, steigt man in Wiener Neustadt mit 17 Euro vergleichsweise günstig aus.

Online-Konkurrenz wächst

Nach dieser ersten Bestandsaufnahme werden die kommenden Jahre die Herausforderungen für die Branche deutlich machen: Einerseits wächst die Konkurrenz am Stadtrand allein 2014 mit 132.000 Quadratmetern munter weiter, andererseits wird auch die wachsende Beliebtheit von Online-Shopping eine Herausforderung der Zukunft sein.

Größte innerstädtische Geschäftsfläche ist (und bleibt wohl auch) die Wiener Mariahilfer Straße. Wie sich dort die vieldiskutierte Begegnungszone auf das Geschäft auswirkt, muss sich erst zeigen. "Sie wird sich weiter gut entwickeln", glaubt Schwarzenecker. Geschäftsführer Hannes Lindner kann sich Umsatzeinbußen von fünf bis zehn Prozent vorstellen: "Kunden von außerhalb der Stadt könnten künftig in Zentren mit Gratisparkplatz abwandern." (Franziska Zoidl, derStandard.at, 17.1.2014)

  • Wie sich die Mariahilfer Straße ohne Autos entwickelt, wird sich erst zeigen.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Wie sich die Mariahilfer Straße ohne Autos entwickelt, wird sich erst zeigen.

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