Hiroo Onoda: Legendärer japanischer Weltkriegssoldat gestorben

17. Jänner 2014, 11:22
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Leutnant versteckte sich 30 Jahre im philippinischen Dschungel - Erst Befehl von früherem Vorgesetzten konnte ihn 1974 zur Aufgabe bewegen

Tokio - Ein japanischer Soldat, der nicht an das Ende des Zweiten Weltkriegs glaubte und sich noch fast 30 Jahre im philippinischen Dschungel versteckt hielt, ist tot. Hiroo Onoda starb im Alter von 91 Jahren in Tokio an Herzversagen, wie japanische Medien am Freitag unter Berufung auf seine Familie meldeten.

Auf den Philippinen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg noch zahlreiche ehemalige japanische Soldaten gefunden, die sich nach der Kapitulation ihres Landes 1945 nicht den US-Truppen stellen wollten und stattdessen im Dschungel in den Untergrund gegangen waren. Onoda hatte jedoch mit Abstand am längsten dort ausgeharrt.

Befehl, sich niemals zu ergeben

Der Leutnant der Kaiserlichen Armee war seit 1944 auf der philippinischen Insel Lubang stationiert gewesen und hatte noch kurz vor Kriegsende eine Spezialausbildung im Guerillakampf erhalten. Seinen Befehl, sich niemals zu ergeben und bis zum Eintreffen von Verstärkung die Stellung zu halten, befolgte er noch lange nach 1945. Zunächst noch zusammen mit drei weiteren Soldaten beobachtete er Militäranlagen und lieferte sich Feuergefechte mit philippinischen Soldaten.

Flugblätter, auf denen das Kriegsende verkündet wurde, und andere Versuche, ihn von seinem einsamen Dschungel-Krieg abzubringen, konnten ihn nicht zum Aufgeben bewegen. Onoda ergab sich erst 1974 nach einem Besuch seines früheren Vorgesetzten, der ihm befahl, die Waffen niederzulegen. Während seines privaten Guerillakriegs im Dschungel tötete Onoda etwa 30 Menschen und verletzte 100 weitere.

"Niemals aufgeben. Mein 30-jähriger Krieg"

Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos begnadigte ihn aufgrund der Umstände, wodurch Onoda nach Japan zurückkehren konnte. Dort verfasste er seine Biografie mit dem Titel "Niemals aufgeben. Mein 30-jähriger Krieg". Die Bitte, für das Parlament zu kandidieren, lehnte der durch seine Lebensgeschichte populär gewordene Onoda aber ab.

Von 1975 bis 1984 lebte er in Brasilien, bis Onoda ein weiteres Mal nach Japan zurückkehrte. Dort eröffnete er "Onodas Naturschule", um einem Werteverfall in der japanischen Gesellschaft entgegenzuwirken. 1996 besuchte er die Insel Lubang und spendete der örtlichen Schule umgerechnet 10.000 Dollar. (APA/red, derStandard.at, 17.1.2014)

  • 1974, also 29 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ergab sich Hiroo Onoda.
    foto: ap

    1974, also 29 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ergab sich Hiroo Onoda.

  • Hiroo Onoda im Jahr 1996.
    foto: ap photo/bullit marquez

    Hiroo Onoda im Jahr 1996.

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