Olympia: Fernsehrechte für Sportveranstaltungen weiter im Höhenflug

17. Jänner 2014, 10:59
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Für 2014 weltweit 19,3 Milliarden Euro prognostiziert - ORF-Sportchef: "Alles, was bei der Rechteverwertung vorstellbar ist, wird gemacht" - ATV will weiter "Krusten aufbrechen"

Sotschi/Wien - Wenn am 7. Februar im russischen Sotschi die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele über die Bühne geht, startet eine Fernseh-intensive Zeit. Knapp zwei Wochen lang stehen 98 Medaillenentscheidungen an, die via TV rund um den Erdball in die Wohnzimmer geliefert werden. Lukrativ nicht zuletzt für das IOC, das 53 Prozent seines Umsatzes aus den Fernsehrechten generiert.

Diese sind in der Zeit von 2009 bis 2012 mit den Winterspielen in Vancouver sowie den Sommerspielen in London auf einen Rekordwert von 3,85 Mrd. US-Dollar (2,83 Mrd. Euro) gestiegen. Das Wirtschaftsberatungsunternehmen Deloitte geht für das Jahr 2014 gar von 19,3 Mrd. Euro aus, die mit den Übertragungen der wichtigsten Sportereignisse - von Olympia über die Fußball-WM in Brasilien bis zu den wichtigsten europäischen Fußball-Ligen - lukriert werden. Ein Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Keine Trendwende

ORF-Sportchef Hans Peter Trost sieht diesbezüglich keine Trendwende in Sicht. "Jedenfalls nicht im Fußball." Auch gebe es eine Tendenz, Rechtepakete zeitlich begrenzt zu vergeben. "Alles, was bei der Rechteverwertung vorstellbar ist, wird gemacht", erklärte Trost. Ähnlich beurteilt Mark Michael Nanseck vom privaten Mitbewerber ATV die Situation. "Man muss aber sehr nach Ländern unterscheiden." Er ortet in Österreich noch Nachholbedarf. "Bei uns herrscht jetzt eine Entwicklung wie in Deutschland vor knapp 25 Jahren."

Damit spielt der ATV-Sportchef auf die Konkurrenzsituation von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern an. Hierzulande sei nicht zuletzt durch die Übertragung der Auswärtsspiele für die WM-Qualifikation der Fußball-Nationalmannschaft auf ATV sowie die Fußball-Champions League auf Puls 4 "Bewegung in die Sache gekommen". Bei Olympia hat sich ATV die Exklusivrechte an der Eröffnungs- und Schlussfeier gesichert. "ATV Sport ist hier wieder einmal Vorreiter, und die ersten Schritte sind in vielen Bereichen ja meist die schwierigsten", so Nanseck.

"Krusten aufbrechen"

Auch im Fußballbereich habe man "Krusten aufbrechen" müssen. Natürlich hätte man aus Sotschi gerne "einen Sportbewerb mit Medaillenchancen für österreichische Athleten übertragen", das sei nicht geglückt. "Aber auch mit den Zeremonien sind wir zufrieden." Vor Ort wird ATV mit zwei Miniteams von insgesamt sieben Mitarbeitern vertreten sein und in den täglichen Sportsendungen über die Bewerbe berichten.

Der ORF wiederum stellt ein Kontingent von knapp 125 Mitarbeitern, die alle Facetten der Winterspiele abdecken sollen. Das Gesamtbudget inklusive Rechtekosten wird mit rund 19 Millionen Euro beziffert. Zu erkennen ist laut Trost jedenfalls, dass Fernsehrechte zusehends in einzelne Pakete zerlegt werden. "Das spielt sich bei mittlerweile fast allen größeren Sportevents ab." So wird beispielsweise zwischen Live- oder zeitversetzter Übertragung unterschieden.

Gesamtperformance

Den Ausschlag gebe im Bieterwettstreit aber nicht nur das monetäre Angebot, sondern der "Gesamtmix". So werde "die Gesamtperformance eines Unternehmens" in der Entscheidung berücksichtigt, wie Trost erklärte. "Es ist eine Zusammenschau aller Parameter, wobei nicht nur das höchste Gebot im Sinne der Ökonomie zählt." Nanseck gab wiederum zu bedenken, dass sich mit hochklassigen Sportbewerben "bedauerlicherweise" kein Geld mehr verdienen lasse. "Die Rechte wie auch die technische Umsetzung sind sehr teuer."

Abseits von Olympia, Champions League und Co. spielen für beide Sender aber natürlich auch Rand- bzw. Nischensportarten eine Rolle. Trost zeigte sich etwa trotz der budgetär angespannten Situation mit der Entwicklung von ORF Sport + zufrieden. "Wir sind der schnellstwachsende Sportspartensender Europas." Und ATV hat u.a. mit den MotoGP-Rechten passable Quoten erzielt. Die ursprüngliche Hoffnung von Nanseck, dass sich ein österreichischer Fahrer in der Rennserie etablieren kann, hat sich allerdings nicht erfüllt. "Dann hätte man natürlich mit dieser Sportart, wo in einer einzigen Runde bis zu zehn Mal überholt wird, ein Bombenprodukt."

Der Live-Aspekt bei Sportübertragungen werde jedenfalls weiter an Bedeutung gewinnen, zeigte sich Trost sicher. "Ich bin der festen Überzeugung, dass in den nächsten zehn Jahren, wenn nicht schon früher, das Live-Recht im Fernsehen das Wertvollste sein wird." Und dies nicht nur im Sport, sondern auch in politischen oder chronikalen Bereichen. Für Nanseck und ATV gelte es wiederum, an großen Sportereignissen dran zu bleiben. "Als ernst zu nehmender TV-Sender, der den Anspruch stellt, die private Nummer Eins zu sein, kommt man an hochklassigen Rechten nicht vorbei." Der Wettkampf wird sich also auch abseits von Skipisten und grünem Rasen fortsetzen. (APA, 17.1.2014)

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