Der junge Metternich

Kolumne16. Jänner 2014, 19:18
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Die deutsche Sicht auf Außenminister Sebastian Kurz

Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Graf (später Fürst) von Metternich-Winneburg zu Beilstein war 36, als er 1809 Außenminister des Kaiserreichs Österreich wurde. Sein erster Schachzug nach der verheerenden Niederlage gegen Napoleon (mit Bombardierung und Besetzung Wiens) war es, die Kaisertochter Marie-Louise mit dem korsischen Emporkömmling zu verheiraten. Die beste Strategie, so schrieb er nieder, sei es, "also vom Tage des Friedens an unser System auf ausschließliches Lavieren, auf Ausweichen, auf Schmeicheln (zu) beschränken. So allein fristen wir unsere Existenz vielleicht bis zum Tage der allgemeinen Erlösung."

Nach Napoleons Sturz dirigierte er brillant den Wiener Kongress 1814 und baute ein (reaktionäres) System für Kontinentaleuropa, das bis zur Revolution 1848 (die er noch erlebte) Bestand hatte.

Eine ziemliche Vorgabe für den "jungen Herrn Metternich", als der Österreichs neuer Außenminister Sebastian Kurz anlässlich seines Besuchs in Berlin von der bedeutenden Frankfurter Allgemeinen bezeichnet wurde. Die FAZ machte zwar Witze über einen Minister "knapp nach dem Stimmbruch", lobte ihn aber als "höchst eloquent" und um "keine Antwort verlegen". Diese Mischung von Bagatellisierung und (widerwilliger) Anerkennung ist oft ein Merkmal deutscher Sicht auf Österreich. Was Kurz betrifft, so weiß er sicher, dass der Reaktionär Metternich letztlich nicht als Vorbild taugt. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 17.1.2014)

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