Strafen für Lernunwillige: Wenn Hans nicht lernen will

Kommentar16. Jänner 2014, 18:57
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Jugendliche ohne Ausbildung brauchen Hilfe, nicht nur Drohungen

Was Hänschen nicht lernt, behauptet der Volksmund, lerne Hans nimmermehr. Das widerspricht zwar sämtlichen Erfahrungen der Erwachsenenbildung, gründet sich aber auf ein Phänomen, das vor allem bei männlichen Jugendlichen zu beobachten ist: Irgendwann kommt eine Phase, in der Hänschen beschließt, nunmehr Hans zu sein - und damit zu alt, zu reif, zu cool für so lästige Dinge wie Schularbeiten, Berufsschulbesuch oder auch nur einen geregelten Tagesablauf zu sein.

Die meisten überwinden sich dennoch. Zwischen 8000 und 10.000 pro Jahrgang tun das aber nicht: So beginnt manche Berufslaufbahn mit Gelegenheitsjobs, allenfalls einer schlecht bezahlten und noch weniger angesehenen Tätigkeit als Hilfsarbeiter - und findet ihre Fortsetzung wahrscheinlich in längeren Phasen der Arbeitslosigkeit.

Das ist keine gute Perspektive für die Betroffenen, keine gute für das Land. Dass die Regierung nun alle jungen Menschen bis zum 18. Geburtstag zum Besuch einer Schule oder einer Lehrstelle verpflichten will, ist gut gemeint. Dazu bedarf es allerdings nicht nur eines Gesetzesbeschlusses, der mit Strafen droht. Vielmehr wird man jeden einzelnen Jugendlichen ansprechen müssen, wird Bildungsangebote machen müssen, die auch den Faulsten motivieren. Denn irgendwann geht jedem der Knopf auf - auch das sagt der Volksmund. Bei manchen aber dauert es länger. Sie brauchen Hilfe, nicht nur die Drohung mit Strafen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 17.1.2014)

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