Wiener Stadthallenbad: "Der Trainingsraum ist eine Verhöhnung"

17. Jänner 2014, 05:30
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Für Vereinssportler sind Räume und ein Becken seit September zugänglich. Der Zustand: mangelhaft und unhygienisch, sagt ein Sportler

Wien - Die gute Nachricht täuschte nur ein wenig über die vielen schlechten der vergangenen Monate und Jahre hinweg: Sämtliche Becken, also auch das große Hauptbecken, sind dicht, wurde von der Wien-Holding Anfang der Woche verkündet. Ein konkreter Eröffnungszeitpunkt für das seit Mai 2010 wegen Sanierung geschlossene Wiener Stadthallenbad könne aber erst nach abschließenden Bäderhygienetests bekanntgegeben werden. Ein Termin im Sommer sei realistisch.

Immerhin können - nach einem Baustopp und trotz anhängiger Klagen zwischen dem entlassenen Generalplaner und der Wien-Holding in Millionenhöhe - Vereinsschwimmer das Trainingsbecken seit September 2013 benutzen. Auch ein Aufwärmraum, Duschen und ein Fitnessbereich stehen den Sportlern zur Verfügung. 400 bis 500 Schwimmer profitieren von den Einrichtungen. Bisher stand Spitzensportlern im Winter nur eine dürftige Interimslösung mit Traglufthalle im Stadionbad zur Verfügung.

Ein Sportler, der namentlich nicht genannt werden will, bezeichnet die sanierte Trainingsstätte hingegen als mangelhaft. Er spricht von dürftiger Hygiene: Fotos von Bodenfliesen im Nassbereich, die auch unter Berücksichtigung eines laufenden Badebetriebs als ordentlich verdreckt zu bezeichnen sind, liegen dem STANDARD vor. Trainingsgeräte müssen die Sportler mitnehmen oder auf dem Boden liegen lassen, weil die Kabinen abends geräumt werden müssen und kein Raum zur Verfügung steht.

Den sogenannten Aufwärmraum bezeichnet der Sportler als "Verhöhnung": Denn im schmalen und 2,5 Meter hohen Raum seien Strecksprünge oder Seilsprünge als wichtige Aufwärmübung nicht möglich. Föhne gebe es nicht. Und die Kraftkammer sei ohne Einbindung der Schwimmer mit suboptimalen Trainingsgeräten ausgestattet worden.

Gabriele Stecher, die die Einteilung der Wiener Wasserflächen koordiniert, kann sich die Vorwürfe des Schwimmers nicht erklären. Den Fitnessraum hätten Experten des Olympiastützpunktes Innsbruck eingerichtet. "Natürlich muss klar sein, dass es eine vorzeitige Bad-Eröffnung war, die den Schwimmern geholfen hat. Wenn das große Becken aufgesperrt wird, wird sich die Situation bessern." Punkto Aufwärmraum sagt Stecher, dass die räumlichen Gegebenheiten nicht geändert werden konnten. Ein von Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SP) angekündigter Bau eines Schwimmsportzentrums ist vorerst kein Thema: Er macht die Realisierung von einer noch nicht erfolgten 50-Prozent-Finanzierungszusage des Bundes abhängig.

Für VP-Gemeinderätin Isabella Leeb wurden die vom Gemeinderat bewilligten Kosten der Stadthallenbadsanierung von 17 Millionen Euro "längst überschritten". Als Beweis führt sie eine Anfragebeantwortung von Oxonitsch an, die ohne konkrete Zahlen auskommt. Darin heißt es, dass sich das "Projekt unter Berücksichtigung der Gegenforderungen der Wiener Stadthalle innerhalb des vom Gemeinderat beschlossenen Kostenrahmens bewegt". Generalplaner Georg Driendl wurde auf 5,6 Millionen Euro verklagt. (David Krutzler, DER STANDARD, 17.1.2014)

  • Das Hauptbecken ist dicht, ein Eröffnungszeitpunkt steht aber noch nicht fest.
    foto: der standard/matthias cremer

    Das Hauptbecken ist dicht, ein Eröffnungszeitpunkt steht aber noch nicht fest.

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