Armutsmigration und Obdachlosigkeit: Ende der Schockstarre

Kommentar16. Jänner 2014, 18:43
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120 Millionen Menschen kämpfen in Europa gegen den Verlust ihrer Arbeit, ihrer Wohnung, ihrer Würde

Was lange von den Gremien der EU ausgeblendet wurde, ist nun offiziell. Europa hat ein wachsendes Armutsproblem. 120 Millionen Menschen sind es, die gegen den Verlust ihrer Arbeit, ihrer Wohnung, ihrer Würde kämpfen. Die Mehrheit der Betroffenen sind Frauen und Kinder.

Ein fixes Einkommen ist kein Garant mehr für Wohlstand; die realen Einkommen schrumpfen, die Kosten für Wohnen, Wasser und Energie steigen jedes Jahr. Working Poor, Armut trotz Arbeit, ist längst kein US-amerikanisches Phänomen mehr. Der Abstieg der Mittelschicht hat Europa erreicht - und Europa erstarrt.

Bisher hat die Kommission dazu geschwiegen, dass eine halbe Million Spanier ohne Rechtsgrundlage delogiert wurde. Auch für Ungarn, wo Obdachlose eingesperrt werden dürfen, gab es nur leisen Tadel hinter vorgehaltener Hand.

Doch Armut und Obdachlosigkeit sind Probleme aller Mitgliedstaaten, nicht nur der Krisenländer. Es ist die ureigenste Aufgabe des Staates, seinen Bürgern leistbares Wohnen zu ermöglichen. In einem Staatenverbund trägt die Union auch eine Mitverantwortung; deshalb hat sie jetzt 2,5 Milliarden Euro für den Armutsfonds vorgesehen.

Endlich scheint die EU die Warnungen und Appelle zu hören und ist mit dem Entschluss zu einer gemeinsamen Strategie aus der Schockstarre erwacht. Es ist ein möglicher erster Schritt in Richtung Sozialunion. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 17.1.2014)

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