Wie der Polyp zur Qualle wird

16. Jänner 2014, 18:24
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Forscher identifizierten ein Molekül, das für die Umwandlung verantwortlich ist - Quallenplagen könnten damit bald der Geschichte angehören

Kiel - Wie wird aus einem Polyp eine Qualle: Die Jahrhunderte alte Frage nach einer biologischen Grundlage der Umwandlung ist in einem internationalen Forschungsprojekt am Beispiel der Ohrenqualle Aurelia aurita entschlüsselt worden. Autoren der im Magazin "Current Biology" erschienen Studie sind Forscher um Thomas Bosch, Direktor am Zoologischen Institut der Uni Kiel.

Die Ohrenqualle ist in Nord- und Ostsee sowie im Atlantik verbreitet. Sie ist handtellergroß und nicht giftig, wächst im Frühjahr heran und stirbt jeweils im Winter. Bosch erläuterte den bereits bekannten Lebenszyklus, bei dem sich Polypen in Quallen verwandeln: Aus einer Eizelle bildet sich zunächst eine Larve und daraus ein Polyp. Der Polyp ist festsitzend (etwa an Schleusentoren), er frisst und kann sich nicht fortbewegen. Und dieser kleine Polyp beschließt temperaturabhängig gegen Ende des Winters, dass aus ihm Quallen entstehen.

Aus seinem Körper sondert er kleine Ringe ab, aus denen Quallen werden. Sie wachsen über Frühjahr, Sommer und Herbst heran, produzieren Geschlechtszellen und sterben dann. Der Kreislauf beginnt erneut: Aus befruchteten Eizellen entstehen Larven und daraus ungeschlechtliche Polypen. Diese können sich ungeschlechtlich fortpflanzen. "Um aber eine Lebensform zu produzieren, die Geschlechtszellen herstellt und die beweglich ist, sich also in die Meere der Erde verbreiten kann, muss der Polyp einen Umwandlungsprozess durchgehen", erläuterte Bosch.

Verantwortlich ist das Molekül CL 390. Wenn man es ausschalten könnte, dann würde es die Qualle Aurelia aurita nicht mehr geben. Die Möglichkeit, chemische Blockierer anzuwenden, könnte nach dieser Studie ein Weg sein, die massenhafte Neubildung von Quallen gering zu halten, meint Bosch. (red, DER STANDARD, 17.1.2014)

  • Ein Exemplar der Aurelia aurita. Das Molekül CL 390 ist offenbar entscheidend für die Quallenwerdung.
    foto: ap/franka bruns

    Ein Exemplar der Aurelia aurita. Das Molekül CL 390 ist offenbar entscheidend für die Quallenwerdung.

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