Opel Ampera: Ein Ampera ist ziemlich genau ein Volt

21. Jänner 2014, 16:52
109 Postings

Der Opel Ampera wäre gern ein Elektrofahrzeug mit viel Reichweite, ist aber ein feiner Plug-in-Hybrid

Es schaut so aus, als würde sie jetzt richtig loslegen, die E-Mobilität. VW steigt groß ins Geschäft ein und bringt heuer den up! sowie den Golf mit Säuselantrieb, BMW zeigt mit dem i3, wie es mit der Mode geht. Und während vor uns, auf einem Podium, die Granden der Weissagung der automobilen Zukunft mit Zahlen und Prozenten um sich werfen und die Gefahr besteht, dass dem Pressesprecher von Opel gleich die Augen stecken bleiben, kurz bevor er stinkwütend den Raum der Hellsehung verlässt: Da also wechseln die Schlüssel eines Opel Ampera für zwei Wochen den Besitzer. Nur um daran zu erinnern, dass die E-Mobilität schon da ist.

Auch wenn es sich beim Ampera um einen Plug-in-Hybrid, den allerersten sogar, handelt. Das ist damals ein wenig untergegangen, weil Opel ja unbedingt ein Elektroauto mit Range-Extender aus dem Ampera und dem quasi baugleichen Chevrolet Volt machen wollte – trotz geheimer Kupplung zwischen Benziner und Antrieb.

Rüsselsheimer Know-how

Dennoch: Die Idee, die die Rüsselsheimer da hatten und auf Räder stellten, ist nicht nur einfach, sondern auch genial: E-Mobilität ohne Reichweiten-Problematik. Durch einen Benzinmotor, der Strom erzeugt, wenn die Akkus – die man für gewöhnlich an der Steckdose lädt – leer sind. Und die Nachteile, die durch das Konzept entstanden, hat Opel mit dem ­Ampera gut im Griff.

Das recht hohe Fahrzeuggewicht von mehr als 1700 Kilogramm fällt kaum auf. Der 150 PS starke E-Motor kaschiert das gut, das Fahrwerk macht den Rest. Der Ampera wirkt weder auf der Autobahn noch auf dem geschwungenen Kopfsteinpflaster träge und blunzig, sondern immer agil und sportlich.

Gediegen und sportlich

Die Akkus sind T-förmig unter den hinteren Sitzen und im Mitteltunnel untergebracht. Damit bleibt der Kofferraum fürs Gepäck frei. Elektro- und Benzinmotor arbeiten vorne unter der Motorhaube. Damit ist der Ampera kein knuffiges kleines Elektroauto, sondern ein vollständiges großes Coupé mit fünf Türen und einem feschen Innenraum. Gediegen und sportlich halt statt elektroautotypisch abgespeckt.

Dabei brauchte er im Test mit vollen Akkus im Stadtbetrieb gerade einmal 0,2 Liter. Der Motor schaltete sich bei der kalten Witterung zu, um Akkus und Luft zu heizen. Mit vollen Akkus kommt er dann rund 40 Kilometer weit. Trotz Sitzheizung und 22 Grad im Auto. Auf der Autobahn brauchte er allerdings 7,5 Liter, obwohl wir dabei auch gleich die Akkus aufgeladen haben und kein zuckelndes Verkehrshindernis waren.

Schade, dass Opel den Ampera nicht gleich gegen den nach ihm folgenden Prius Plug-in-Hybrid ins Rennen geschickt hat. Er hätte bei den Themen Design, Sportlichkeit, elektrische Reichweite und Komfort klar die Nase vorn ­gehabt, während der Toyota dann ohne Gegner alles gewann. (Guido Gluschitsch, DER STANDARD, 17.01.2014)

Link:
Opel

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Der Opel Ampera überzeugt mit seinem Antrieb, seiner Ausstattung.
    foto: guido gluschitsch

    Der Opel Ampera überzeugt mit seinem Antrieb, seiner Ausstattung.

  • Sogar das Design ist gelungen.
    foto: guido gluschitsch

    Sogar das Design ist gelungen.

  • Nur in kleinen Details, wie anlaufenden Scheinwerfern, zeigt er Schwächen.
    foto: guido gluschitsch

    Nur in kleinen Details, wie anlaufenden Scheinwerfern, zeigt er Schwächen.

  • Artikelbild
    grafik: der standard
Share if you care.