Vorarlberg gegen Fracking am Bodensee

17. Jänner 2014, 05:30
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Die Vorarlberger Politik ruft geschlossen zum Widerstand gegen Fracking auf - Sie fürchtet um Wasservorkommen

Bregenz - Ungewohnt einig zeigen sich die Vorarlberger Landtagsfraktionen zu Beginn des Wahljahrs. Gemeinsam rufen sie die Bevölkerung zum Widerstand gegen Fracking, die umstrittene Technologie zur Förderung von Schiefergas, auf. Die Parteien eint die Sorge um das Grundwasser und das Trinkwasserreservoir Bodensee. Rund fünf Millionen Menschen beziehen ihr Wasser aus dem See. "Hände weg vom Bodensee", fordern die Grünen.

"Unabwägbaren Risiken für die Bevölkerung, für das Trinkwasser sowie für Natur und Umwelt" seien mit Fracking verbunden, sagt Landtagspräsidentin Gabriele Nußbaumer (ÖVP) und ruft zur Unterschrift einer Online-Unterstützungsaktion des Landtags auf. Die Bundes- und Landesregierungen der Bodensee-Anrainerstaaten und die EU-Kommission werden mit der Unterschriftenaktion aufgefordert, die "derzeit angewandten Methoden des Fracking" abzulehnen und auf EU-Ebene eine verbindliche UVP-Richtlinie für Fracking zu erwirken.

Beim Fracking wird über Bohrschächte ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien ins Schiefergestein gepresst, das Gestein bekommt Risse, das Gas kann an die Oberfläche strömen. Mit dem Gas kommt aber auch, warnen die Umweltschützer, kontaminiertes Abwasser. Durch die Zwischenlagerung in Becken würden Luft, Boden und Wasser verschmutzt.

Die Furcht vor Schaden für Grundwasser und See ist nicht unbegründet. Im deutschen Bodenseeraum wurde die Konzession für die Gassuche eines britischen Unternehmens verlängert, im Schweizer Kanton St. Gallen stieß man bei Geothermie-Tiefenbohrungen auf Gas. "Wie Tiefenbohrungen die Grundwasserströme im Rheintal beeinflussen, ist unabschätzbar", sagt Rauch.

Die Vorarlberger Grünen, seit 2012 aktiv in der Bekämpfung der neuen Technologie, haben mit den Grünen der Schweiz, Baden-Württembergs und Bayerns eine Website zur Information erstellt.

Thema bei Europawahl

Fracking werde Schwerpunktthema der Europa-Wahl, kündigte der Vorarlberger Grünen-Sprecher Johannes Rauch an. Enttäuscht zeigt sich Rauch über aktuelle Meldungen, dass sich die EU-Kommission nicht zu einer Gesetzesregelung durchringen kann und nur unverbindliche Empfehlungen geben will. Der konservative EU-Energiekommissar Günther Oettinger, früher Ministerpräsident von Baden-Württemberg, sprach sich in deutschen Medien für das Fracking aus: Deutschland solle kein endgültiges Nein zum Fracking formulieren, sonst gingen wichtige Kompetenzen verloren.

Rauch sieht diese Haltung als Erfolg der Fracking-Lobby, die mit Gasvorkommen in Polen und Großbritannien spekuliere. Rauch hält die EU-Haltung für kurzsichtig. Aus den USA, wo man derzeit eine Fracking-Blase erlebe, kämen bereits ernüchternde Meldungen. Fracking rechne sich nicht.

Investitionen in die neue Technologie gingen 2013 deutlich zurück, berichtet das Beratungsunternehmen IHS Herold. 3,4 Milliarden Dollar wurden 2013 investiert, im Jahr zuvor war es noch doppelt so viel. (Jutta Berger, DER STANDARD, 17.1.2014)

  • Der Bodensee versorgt fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser. Fracking, die Förderung von Schiefergas mit Chemikalien, gefährde Wasser und Landschaft, befürchten Politiker der Seeregion.
    foto: dpa/tobias kleinschmidt

    Der Bodensee versorgt fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser. Fracking, die Förderung von Schiefergas mit Chemikalien, gefährde Wasser und Landschaft, befürchten Politiker der Seeregion.

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