Strenge Prüfung von Skihelmen

16. Jänner 2014, 17:50
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Die Prüfstelle der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt warnt vor Helmkameras wegen "ungünstiger Hebelwirkung"

Wien - Willi muss immer den Kopf hinhalten. Und wumm, schon wieder bekommt er eine aufs Haupt. Willi ist ein Kopf-Dummy für Skihelmtests in der sicherheitstechnischen Prüfstelle der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) in Wien-Brigittenau. Helme, die hier bestehen, werden mit der europaweit gültigen ÖNORM EN 1077 gekennzeichnet (die allgegenwärtige CE-Kennzeichnung ist lediglich ein Handelszeichen).

Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, wie der schwere Skiunfall von Michael Schumacher vor fast drei Wochen gezeigt hat. Doch ohne Helm würde sich AUVA-Prüfer Thomas Manek nicht mehr auf die Piste wagen. Bei ihm muss der Kopfschutz mehrere Tests bestehen: Bei der Messung der Stoßdämpfung knallt Dummy Willi samt Helm aus 1,5 Meter Höhe auf den Boden. Drei Sensoren erfassen, ob die Beschleunigungskräfte korrekt abgeleitet werden und wie stark sich der Helm verformt. Eltern, die ihren Kindern zu große Helme verpassen, im Vertrauen, dass die Sprösslinge noch "hineinwachsen", machen laut Manek einen schweren Fehler. Denn das vergrößere nur das Verletzungsrisiko.

Speer gegen Helm

Beim Durchdringungstest wird ein schwerer Spitz auf den Helm losgelassen. Dringt der "Speer" tatsächlich bis zu Willi durch, ist das Produkt Mist. Vor allem zu große Lüftungsschlitze sind ein Problem. Auch der Kinnriemen muss einer bestimmten Belastung standhalten. Dann muss ein Helm noch in die Klimakammer, wo er Temperaturen von 25 Grad unter null bis 70 Grad plus ausgesetzt wird. Dazu kommt intensive UV-Bestrahlung. Damit wird die Sprödigkeit des Materials getestet. Generell rät Karl Grün, Direktor der heimischen Normenplattform Austrian Standards, alle vier Jahre einen neuen Helm zu kaufen.

Zum Boom von Helmkameras - auch Schumacher trug bei seinem folgenschweren Sturz eine - meint Prüfingenieur Manek, dass in der Regel die Produkthaftung für die Helme erlösche, wenn Hersteller nicht ausdrücklich die Montage einer Kamera erlauben. Schon ein selbst aufgebrachtes Pickerl könne auf Dauer zur Versprödung des Materials führen. Eine Helmkamera könne außerdem bei Stürzen eine "ungünstige Hebelwirkung auf die Halswirbelsäule" ausüben, warnt er. (Michael Simoner, DER STANDARD, 17.1.2014)

  • Helmtest bei der AUVA: Die Spitze drang nicht durch.
    foto: der standard/robert newald

    Helmtest bei der AUVA: Die Spitze drang nicht durch.

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