Broukal: "Man hat einen roten Papagei auf der Schulter sitzen"

Interview16. Jänner 2014, 18:22
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Der ehemalige Quereinsteiger Josef Broukal sieht im Wechsel in die Politik eine Beförderung und kritisiert Armin Wolf

derStandard.at: Eugen Freund soll SPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl werden. Es erwartet ihn ein Höllenritt. Wünschen Sie ihm viel Glück?

Josef Broukal: Selbstverständlich werde ich einem alten Freund alles Gute wünschen. Es ist ein völlig neuer Beruf, man wird sehen, wie er sich bewährt. Heute weiß das niemand.

derStandard.at: Hatten Sie ihre Aufgabe für die Partei am Wahltag bereits erfüllt? Armin Wolf nannte ORF-Journalisten im STANDARD-Interview "Vote-Getter".

Broukal: Armin Wolf ist immer stark im Beurteilen anderer Menschen, aber weniger stark beim Recherchieren. Ich mag ein Vote-Getter gewesen sein, habe aber als Abgeordneter etwas zustande gebracht. Ich habe die Abschaffung der Studiengebühren verhandelt, die Einführung der Frauenquoten an den Universitäten und die Senkung der Klassenschüler-Höchstzahl auf 25.

derStandard.at: Wurden Sie vom ORF abgeworben, oder sind Sie aus eigenen Stücken in die Politik gegangen?

Broukal: Ich bin von der SPÖ eingeladen worden. André Heller hat für Parteichef Alfred Gusenbauer Personen gesucht, die der Wahlliste ein Glanzlicht aufsetzen sollte.

derStandard.at: Sie hatten im ORF leitende Funktionen inne, in der Politik waren Sie zu Beginn quasi Volontär. Wie haben Sie diesen Ortswechsel empfunden?

Broukal: Das hat man aber vor dem Wechsel schon gewusst. Ich habe wie jeder Berufsanfänger gelernt, wie es geht. Ich habe das Zehnfache gearbeitet für die Hälfte des Gehalts. Ich war aber gerne Abgeordneter, habe es genossen, nach 30 Jahren, in denen ich Politik von außen kritisiert habe, die Chance zu bekommen, selbst etwas durchzusetzen.

derStandard.at: Wolf sagte, dass die Parteien ORF-Journalisten wie Sie "in einer Phase politischer Frustration" eingefangen haben.

Broukal: Das ist ein völliger Blödsinn, was meine Person betrifft. Ich war der angesehenste Moderator in der "ZiB" und völlig ungefährdet in meinem Job. Ich bin unangenehm berührt von der Abschätzigkeit, mit der Wolf die Frage nach seinem möglichen Einstieg in die Politik beantwortet hat. Ich habe es als Beförderung empfunden, in den Nationalrat gewählt zu werden. Die Rolle eines Politikers ist nicht geringer einzuschätzen als die eines Nachrichtenmoderators.

derStandard.at: Ist Ihnen der Rückkehr von der Politik in Ihren Job leichtgefallen?

Broukal: Ich hatte keine Probleme. Natürlich hat man immer einen roten Papagei auf der Schulter sitzen. Viele Schulterklopfer von früher, vor allem aus dem Bankenbereich, haben nie wieder daran gedacht, mich zu engagieren. So sehr konnten sie mich als ORF-Moderator vorher gar nicht loben. Ich hatte im Wissenschaftsbereich immer ein zweites Berufsfeld, und dort hat das nie eine Rolle gespielt. Ich bin gut im Geschäft. (Florian Vetter, derStandard.at, 16.1.2014)

Josef Broukal (67) war Moderator der Nachrichtensendung "Zeit im Bild" im ORF, von 2002 bis 2008 war er Abgeordneter für die SPÖ im Nationalrat. Er ist als Medientrainer tätig.

  • Josef Broukal bei einer Rede im Parlament im Jahr 2005.
    foto: ap/zak

    Josef Broukal bei einer Rede im Parlament im Jahr 2005.

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