Typhus: Ein Kampf auf Zeit

16. Jänner 2014, 16:13
posten

Das Immunsystem kann zwar einen Großteil der Salmonellen abtöten, einige der Erreger überleben aber häufig und verlängern die Erkrankung

Basel - Die lebensbedrohliche Krankheit Typhus ist das Ergebnis eines fortlaufenden Kampfes zwischen dem bakteriellen Erreger Salmonella und den Abwehrzellen des Körpers. Wie es dem Typhus-Erreger dabei immer wieder gelingt, dem Immunsystem zu entkommen, hat jetzt eine Forschungsgruppe der Universität Basel herausgefunden und in der Fachzeitschrift "Cell Host & Microbe" veröffentlicht.

Vielfältige Verteidigungsstrategien

Typhus ist eine bakterielle Infektion, ausgelöst durch den Erreger Salmonella. Das Immunsystem des infizierten Wirts erkennt den Salmonella-Erreger und aktiviert Abwehrzellen wie Neutrophile und Monozyten. Sie dringen ins infizierte Gewebe ein, umschliessen den Infektionsherd und bilden einen Abszess. Die Forscher konnten zeigen, dass zwar ein Großteil der Salmonellen bei diesem Abwehrprozess getötet wird, einige der Salmonella-Erreger jedoch aus den Abszessen entweichen und so ihr Überleben sichern.

Außerhalb von Abszessen befallen Salmonellen andere Abwehrzellen, sogenannte Makrophagen, die weniger wirksame Abwehrstoffe bilden. "Salmonellen haben vielfältige Verteidigungsstrategien entwickelt, mit denen sie sich vor diesen Angriffen der Makrophagen schützen. Viele Salmonellen können deshalb in Makrophagen überleben und sich sogar vermehren", sagt Neil Burton, einer der beiden Erstautoren.

Besonders tückisch

Die neu entstehenden Infektionsherde werden nach einiger Zeit wieder von Abszessen umgeben, aber einige Salmonellen können erneut entweichen. "Das befeuert die gesamte Infektion aufs Neue und macht die Typhuserkrankung besonders tückisch", sagt Nura Schürmann, ebenfalls Erstautorin der Publikation.

Der gesamte Krankheitsprozess ist ein Rennen zwischen den Salmonellen und dem Immunsystem des infizierten Organismus. Dieser Kampf wird an vielen Fronten ausgefochten, wobei gleichzeitig viele Salmonellen erfolgreich abgetötet werden, während andere Salmonellen überleben und die Infektion vorantreiben. Die Summe der Einzelkämpfe an den einzelnen Begegnungsstätten von Salmonellen und Abwehrzellen bestimmt schliesslich den gesamten Krankheitsverlauf.

Zunehmende Antibiotika-Resistenz 

Betroffen sind weltweit jährlich mehr als 20 Millionen Menschen, vor allem in Ländern mit mangelnder Hygiene. Sie infizieren sich mit dem Erreger meist durch die Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln oder Wasser. Einmal in den Darm eingedrungen, breiten sich die Salmonellen über die Darmschleimhaut in weiteren Organen wie Milz und Leber aus. Durch die zunehmenden Resistenzen gegen Antibiotika wird eine Heilung immer schwieriger.

Mechanismen, mit denen Salmonellen im Infektionsverlauf immer wieder die Oberhand gewinnen, könnten neue Ansätze zur Behandlung von Typhus aufzeigen. Wahrscheinlich gibt es ähnlich heterogene Kämpfe mit dem Wirt auch bei vielen anderen Erregern. Die Ergebnisse der Studie haben damit breite Bedeutung für viele Infektionskrankheiten. (red, derStandard.at, 16.1.2014) 

Originalbeitrag:

Disparate Impact of Oxidative Host Defenses Determines the Fate of Salmonella during Systemic Infection in Mice.
Neil A. Burton, Nura Schürmann, Olivier Casse, Anne K. Steeb, Beatrice Claudi, Janine Zankl, Alexander Schmidt, Dirk Bumann.
Cell Host & Microbe, Volume 15, Issue 1, 72-83, 15 January 2014 | doi: 10.1016/j.chom.2013.12.006

  • Von Salmonellen befallene Zellen (Makrophagen blau, Monozyten türkis), abgestorbene Salmonellen (nur gelb) und lebende Salmonellen (gelb und rot).
    foto: uni basel
    Von Salmonellen befallene Zellen (Makrophagen blau, Monozyten türkis), abgestorbene Salmonellen (nur gelb) und lebende Salmonellen (gelb und rot).
Share if you care.