Meine Freundin hat hier immer als Kind gespielt

19. Jänner 2014, 10:00
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Max Wellan, Präsident der Apothekerkammer, wohnt in einem ausgebauten Dachgeschoß in Wien-Grinzing

Max Wellan, Präsident der Apothekerkammer, wohnt in einem ausgebauten Dachgeschoß in Wien-Grinzing. Michael Hausenblas erzählte er von Brücken innerhalb der Wohnung, die ihn an Landebahnen erinnern.

"Unser Zuhause befindet sich im 19. Bezirk, in der Nähe der Hohen Warte. Ich bezeichne diesen Ort gern als ‚moderate Warte', weil es vor der Hohen Warte eben noch diesen einen kleinen Hügel gibt, von wo aus wir über ganz Wien blicken können. Das ist das ausgebaute Dach eines Gründerzeithauses. Im Haus sind auch noch verschiedene andere Parteien daheim. Eine Arztpraxis gehört auch dazu. Ich wohne hier gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin und unserer sechsjährigen Tochter.

Max Wellan auf seinem roten Sofa, das er ganz besonders schätzt. Es lässt sich nämlich nach Lust und Laune in alle Richtungen drehen. (Foto: Lisi Specht; Bildansicht durch Klick vergrößern)

Der Dachboden ist sehr hoch, dadurch gibt es ausreichend Platz für zwei Wohnebenen. Unter dem Dach gibt es übrigens auch noch zwei andere Wohnungen. Unser Wohnbereich misst insgesamt so an die 240 Quadratmeter und ist sehr offen gestaltet. Ein befreundeter Architekt von uns – er heißt Paul Richter – hat die Wohnung lange Zeit geplant und schließlich umgebaut. Eingezogen sind wir dann 2007.

Besonders wichtig war uns, dass der Charakter des Dachbodens erhalten bleibt. Meine Lebensgefährtin hat hier oben schon immer als Kind gespielt. Es ging uns daher vor allem darum, diesen Raum mit seinem Zauber spürbar zu erhalten. Wir wollten keine Quadratmeter schinden, sondern überlegen, wie man für die vielen Funktionen des Lebens planen kann. Diesbezüglich waren die vielen Fragen, die der Architekt gestellt hat, sehr hilfreich.

Im unteren Bereich ging es in erster Linie um die öffentlichen Funktionen: Wohnraum, Esszimmer und Küche gehen ineinander über. Außerdem gibt es noch ein Vorzimmer, einige Nebenräume, eine Garderobe und zwei Balkone. Auf der oberen, also der privateren Ebene, befinden sich ein Schlafzimmer, das Badezimmer, ein Büro sowie die Zugänge zu unserer Terrasse.

Meine Lebensgefährtin hat früher bei der AUA gearbeitet, und ich finde es lustig, wie sich dies in gewisser Weise in der Wohnung widerspiegelt: Es gibt so etwas wie Brücken, die einzelne Wohnbereiche miteinander verbinden. Sie schauen aus wie Landebahnen, und auch die darin eingelassenen LED-Lichtelemente sind wie die Bodenbeleuchtung am Flughafen angeordnet. Diese Brücken durchqueren die gesamte Wohnung und sind geeignete Mittel, die Offenheit des Dachbodens zu erhalten. Außerdem lassen sie viele Blickachsen zu.

Uns gefällt ja das italienische Wort für Dachbodenausbau. Es lautet ‚attico'. Das ist unser Codename für das Flair unserer Wohnung. Die Kaminwand, die als einzige Innenmauer immer schon da war, wollten wir ursprünglich mit den alten Ziegeln herzeigen. Leider war das aus feuerpolizeilichen Gründen nicht möglich. Jetzt ist sie mit Lehm verputzt. Das ist ein alter Baustoff – und ein ökologisches Statement so wie übrigens auch die Solaranlage. Daher haben wir auch auf eine Klimaanlage verzichtet. Doch dafür gibt's am höchsten Punkt des Raumes eine Firstentlüftung, so wie in afrikanischen Häusern.

Unser Stil ist in gewisser Weise reduziert, mit einem Schuss ita­lienischem Flair. Wichtig ist uns auch, dass die Wohnung nicht angeräumt wirkt. Man könnte sagen, wir haben die Räume um die vorhandenen Möbel herumgebaut. Die Stücke haben also durchaus skulpturalen Charakter. Dafür haben wir uns auch viel Zeit gelassen.

Wohnen – das ist für mich die Vielfalt von gebauten Funk­tionen des Lebens. Eine Funktion ist zum Beispiel der Überblick, der Weitblick, der etwas Beruhi­gendes bringt, aber auch das Draußen hereinlässt. Unser rotes Sofa vor dem Kamin steht für eine andere Funktion. Es lässt sich drehen. Und so schauen wir manchmal auf den Kamin und dann wieder weit in die Ferne." (DER STANDARD, 18.1.2014)

Max Wellan wurde 1968 in Wien geboren. Seit 1. Juli 2012 ist er Präsident der Österreichischen Apothekerkammer. Bereits 15 Jahre davor war er in dieser Standesvertretung tätig – vor allem in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Innovation, Medikationsmanagement sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung. In seiner Jugend war Wellan Mitglied der österreichischen Basketball-Nationalmannschaft. Weitere seiner Hobbys sind Bridge und Eistanz. Seit 1994 ist er nun angestellter Apotheker in Wien. Außerdem ist er Mitglied des Obersten Sanitätsrats und der Bundesgesundheitskommission.

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