IBM will mit Watson Milliarden scheffeln

17. Jänner 2014, 11:26
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Konzernchefin Ginni Rometty gründet eigene Einheit für das lernende System, sieht drittes Computerzeitalters angebrochen

Einmal schon hat Watson seinen Erfindern Geld eingespielt: Als das smarte IBM-Computerprogramm in der US-Quizshow Jeopardy, bei der möglichst schnell auf Sachfragen in Frageform geantwortet werden muss, die zwei besten menschlichen Kontrahenten lässig abhängte. Das war 2011. Watson gewann den ersten Preis in der Höhe von einer Million Dollar.

Milliardeninvestitionen

Da Computersysteme schneller reifen (müssen) als die Hirne von uns Menschenkindern, heißt es für das 2005 initiierte Artificial-Intelligence-Projekt (Künstliche Intelligenz) nun Schluss mit lustig und ran ans große Geldverdienen. Die Anfang des Jahres gegründete IBM Watson Group soll sich mit Produkten rund um den "lernenden" Supercomputer beschäftigen. Dafür will IBM eine Milliarde Dollar investieren. Darin enthalten sind 100 Millionen Dollar Venturekapital für Start-ups, die dafür Anwendungen (Apps) entwickeln.

Nach Aussagen von IBM ist das Ziel, mit kognitiven Systemen die stetig wachsenden Datenmengen (Big Data) noch genauer zu analysieren und bessere Antworten auf unterschiedliche Fragestellungen zu finden. Als mögliche Einsatzgebiete stehen derzeit vor allem das Gesundheitswesen, die Finanzwelt und Callcenter im Kundenservice im Mittelpunkt der Vermarktungsplanung.

Neue Epoche

Wie Unternehmenschefin Ginni Rometty bei einer Veranstaltung in New York betonte, läute Watson, dessen Namensgebung auf den 1956 verstorbenen legendären IBM-Chef Thomas Watson (1914-1955) referenziert, den Beginn eines neuen, dritten Computerzeitalters ein. Im ersten sei es hauptsächlich um Berechnungen gegangen, während das zweite durch die Einführung des Großrechners die Ära des Programmierens darstellte. In der neuen Epoche lernender Systeme könnten Menschen nun erstmals mithilfe natürlicher Sprache in einen intelligenten Dialog mit Maschinen treten.

Nadel im Heuhaufen

Watson sei "so gestaltet, dass er mit der Zeit klüger wird. Er kann die Nadel im Heuhaufen finden und ist mit dem Heuhaufen vertraut. Er versteht die Auswirkungen von Fragen", erklärte Rometty, die seit Anfang 2012 als erster weiblicher CEO das geschichtsträchtige Unternehmen leitet. Die Ankündigung des neuen Geschäftsbereichs Watson soll zudem beitragen, den Ruf des IT-Dienstleisters weiterhin zu wahren und die zuletzt gehörten kritischen Stimmen der Wall Street zu beruhigen. Rometty hofft, dass die neue Watson-Einheit binnen zehn Jahren auf zehn Milliarden Dollar Jahresumsatz kommt.

Fundierte Entscheidungen

Die Fähigkeiten des lernenden Systems wurden in den vergangenen Jahren besonders für Gesundheitsfragen erprobt und eingesetzt. Schätzungen von Fachleuten zufolge sind heute nur 20 Prozent des Wissens, das Ärzte für Diagnosen und Entscheidungen verwenden, evidenzbasiert.

Das führt dazu, dass eine von fünf Diagnosen falsch oder unvollständig ist. Dabei sind die Informationen, die Ärzte für bessere Entscheidungen benötigen, bereits verfügbar. Medizinische Fachzeitschriften veröffentlichen jeden Tag neue Behandlungsmethoden und Forschungsergebnisse. Watson kann für die Analyse bis dato unüberschaubarer Datenmengen eingesetzt werden, die Behandlung kranker Menschen beschleunigen - und soll auch Kosten sparen helfen. (kat, DER STANDARD, 17.1.2014))

  • Schluss mit lustig für Watson: IBM-Chefin Ginni Rometty will den Supercomputer auf breiter Basis vermarkten.
    foto: reuters

    Schluss mit lustig für Watson: IBM-Chefin Ginni Rometty will den Supercomputer auf breiter Basis vermarkten.

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