Klagenfurt: Schwere Vorwürfe gegen Strandbad-Pächter

14. August 2003, 19:12
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Nach 117 Salmonellen-Infizierten ermittelt Staatsanwalt gegen Wirt und Marktamtsleiter

Klagenfurt - In der Salmonellen-Affäre gerät der Pächter des Klagenfurter Strandbad-Restaurants Leopold Tischler weiter unter Druck. Auch der mittlerweile seiner Funktion enthobene Leiter des Marktamtes steht unter massivem Beschuss. Gegen beide ermittelt die Staatsanwaltschaft. Bei Tischler könnte strafbares Verhalten nach dem Lebensmittelgesetz vorliegen. Sollte sich erweisen, dass Tischler seinen Gästen vorsätzlich oder fahrlässig verdorbene Lebensmittel vorgesetzt hat, könnte der Strafrahmen zwei bis drei Jahre Haft bedeuten, sagte Staatsanwalt Friedrich Borotschnig auf Anfrage des STANDARD. Auch die Tatbestände schwerer Körperverletzung unter besonders gefährlichen Voraussetzungen sowie der Gemeingefährdung werden überprüft: "Es wird in alle Richtungen ermittelt."

Spur führt in die Küche

Zumindest eines sei klar: eine Kausalverbindung zwischen salmonellenverseuchten Lebensmitteln aus der Küche des Strandbades und den infizierten Gästen ist gegeben, weil sich die Erreger decken würden. Wie berichtet ist die Zahl der Infizierten - einer davon erkrankte lebensbedrohlich - auf 117 angestiegen. Auch 30 Restaurant-Mitarbeiter sind betroffen.

Schwere Hygienemängel

Dazu kommt noch, dass jetzt auch ein magistratsinterner Prüfbericht an die Öffentlichkeit gelangte, der schwere Hygienemängel in der Küche festgestellt hat. So habe man Maggi-Packerln mit dem Ablaufdatum 2001 gefunden sowie Saucen und Mayonnaisen, die in Kübeln ohne Aufschrift des Herstellungsdatums aufbewahrt worden sei. Ebenso verschmutze Küchengeräte, die von "sichtlich älteren Fettkrusten" bedeckt gewesen seien. Und das nach der ersten Desinfektion, die auf Veranlassung Tischlers unter Aufsicht des Marktamtes von einer privaten Reinigungsfirma durchgeführt worden war.

Vorwürfe wegen Versäumnisse bei der Aufklärung

Dem Marktamtsleiter werden im Prüfbericht Versäumnisse bei der Aufklärung der Salmonellen-Affäre vorgeworfen. Denn laut seinen Angaben seien die Desinfektion sowie die hygienischen Zustände einwandfrei gewesen, weshalb eine Sperre des Lokals nach Auftreten der ersten Salmonellen-Fälle unterblieb. Staatsanwalt Borotsching untersucht nun, ob Amtsmissbrauch vorliegt. Auch ein Disziplinarverfahren im Magistrat soll eingeleitet werden.

Grüne fordern Maßnahmenpaket

Nach der Affäre um die massenhaften Salmonelleninfektionen im Klagenfurter Strandbad-Restaurant fordern die Klagenfurter Grünen ein Maßnahmenpaket, um mögliche "tickende Zeitbomben" zu entschärfen. Man könne nicht ausschließen, dass in anderen Betrieben ähnliche hygienische Bedingungen herrschten wie im Strandbad.

(APA,Elisabeth Steiner, DER STANDARD Printausgabe 14.8.2003)

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