Vom Starkult zur Abhängigkeit

16. August 2003, 12:00
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Neue Studie sieht fließenden Übergang zwischen harmloser Verehrung und Besessenheit - und widerspricht damit bisherigen Meinungen

Paris - Starkult kann ernsthaft die Gesundheit gefährden: Rund ein Drittel der Menschen sind einer wissenschaftlichen Studie zufolge berühmten Persönlichkeiten mehr oder minder tief zugeneigt. Eine solche Verehrung gleite allerdings in vielen Fällen ins Krankhafte ab, stellte eine psychologische Studie laut der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" fest. Das Ergebnis der Studie widerspreche der landläufigen Meinung, wonach es nur die beiden Kategorien harmlose Verehrung und Besessenheit gebe. Tatsächlich seien die Grenzen fließend.

Es bestehe die Gefahr, dass die Verehrer sich in eine immer größere Abhängigkeit zu ihrem Idol begäben, heißt es in der Untersuchung weiter. Rund 20 Prozent der Befragten gaben demnach an, ihr Idol aus sozialen Gründen und aus Amüsement zu verehren. Schon der nächste Zuneigungsgrad sei aber von einer "intensiven persönlichen" Bindung geprägt: Die Fans glaubten an eine tiefere Verbundenheit mit den Angehimmelten. Die Verehrung gehe hierbei bereits in Abhängigkeit über. Dieser Gruppen gehörten laut Studie etwa zehn Prozent der Testpersonen an.

"Celebrity Worship Syndrome"

Im schlimmsten Fall könne es zu Persönlichkeitsstörungen kommen. Gelegentlich brächen sich dann Enttäuschung oder Imponiergehabe in Gewalttaten bahn, wie beim Attentat auf den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan 1981. Der Täter John Hinckley gab als Motiv für seine Tat an, die Aufmerksamkeit der von ihm verehrten Schauspielerin Jodie Foster erregen zu wollen. Er galt als geistig verwirrt während der Tat. Aber selbst Verehrer ohne enge Beziehung zu ihrem Idol sind der Studie zufolge meist zumindest ängstlicher als Menschen ohne Idol, litten eher an Depressionen und seien sozial inkompetenter.

Um Auswirkungen und Abstufungen des "Celebrity Worship Syndrome" (etwa: Star-Anhimmelungssyndrom) zu erforschen, befragten die Psychologen Lynn McCutcheon von der DeVry Universität in Florida und James Houran von der Southern Illinois Universitiy School of Medicine mehr als 600 Testpersonen. Auf einem Fragebogen sollten diese beurteilen, ob bestimmte Aussagen auf sie zutreffen - zum Beispiel: "Ich bin besessen von Einzelheiten aus dem Leben meines Lieblingsstars" oder "Wenn er/sie mich um illegales Handeln bäten, würde ich es wahrscheinlich tun". (APA)

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    Objekt der Anbetung ist hier die US-Sängerin P!nk

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