"Pilot sein war immer mein Traumberuf"

14. August 2003, 18:00
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Wolfgang Hable, AUA-Pilot, Betriebsrat und Gewerkschaftsvorsitzender - ein Porträt

So einen Rummel um seine Person war Wolfgang Hable bisher nicht gewohnt. Seit die Verhandlungen zwischen den AUA-Piloten und der Unternehmensführung geplatzt sind und Streiks in der Luft liegen, ist der 36-jährige Oberösterreicher einer der gefragtesten Gesprächspartner im Land. Ein Interview jagt das andere, dazwischen Informationsveranstaltungen und Vorbereitungen für erste Streiks, die es nächste Woche geben könnte. Wenig Zeit für sein liebstes Hobby nach dem Fliegen: rollerbladen.

"Wenn man die Funktion des Vorsitzenden der Gewerkschaft annimmt und auch im Betriebsrat aktiv ist, dann kauft man das alles in einem Paket mit", sagt der in Linz wohnende, ledige Hable.

"Eher zurückhaltende Person"

Als Hable am 24. Juli 1968 in Linz zur Welt kam, stellten die Studenten an der Sorbonne in Paris gerade die Uni-Hörsäle auf den Kopf und stürmten mit Revolutionsparolen durch die Straßen der französischen Hauptstadt. In Österreich waren die Studentenunruhen in deutlich abgeschwächter Form spürbar. In seiner eigenen Studentenzeit Jahre später wurde Hable nicht revolutionär auffällig. Er wird als "eher zurückhaltende Person" charakterisiert, ein Mann aber, "der genau weiß, was er will".

Hable hat 1986 in Linz maturiert und sich anschließend im Bundesheer bis zum Oberstleutnant hochgedient. Parallel dazu studierte der überzeugte Nichtraucher Jus. Das Studium schloss Hable 1995 mit dem Magister der Rechtswissenschaften ab, machte anschließend das Gerichtsjahr am Landes- und Bezirksgericht Linz und arbeitete bis zum Einstieg bei der AUA im Februar 1997 als Konzipient in einer Linzer Rechtsanwaltskanzlei. 2000 promovierte er zum Doktor juris.

"Pilot sein war immer mein Traumberuf"

"Pilot sein war immer mein Traumberuf", sagt Hable. Die Flugausbildung in einer Linzer Flugschule hat er privat finanziert. Bei der AUA ist er als Kopilot auf der Langstrecke unterwegs. Seit 2000 engagiert sich der sportlich-agile Hable in der Gewerkschaft, seit vorigem Jahr ist er Vorsitzender der Fachgruppe Bord in der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV) und stellvertretender Vorsitzender des Bordbetriebsrats der AUA.

"Wir sind der Unternehmensführung einen Riesenschritt entgegengekommen", sagt Hable unter Hinweis auf die Position der Gewerkschaft noch vor wenigen Monaten, als jedwedes Einlenken kategorisch abgelehnt wurde. "Jetzt erwarten wir, dass sich auch das Unternehmen einen Schritt auf uns zubewegt."

Von manchen wird Hable als "heißsporniger Verhandlungsführer" eingestuft, der "ausschließlich auf die Piloten fixiert" sei und "keinen Blick für das Ganze" habe. Er selbst gibt sich konziliant: "Wir sind zu Verhandlungen bereit", um im nächsten Moment wieder die Rute ins Fenster zu stellen: "Ich habe einen langen Atem." (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 14.08.2003)

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