Der neue Messeturm: "Strizziturm"

17. August 2003, 16:53
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Wenn's um Spitznamen geht, sind die Wiener traditionsgemäß sehr schnell und vielfältig

Wien - Wenn's um Spitznamen geht, sind die Wiener traditionsgemäß sehr schnell. Die Secession etwa wurde ruck, zuck wegen ihres güldenen runden Aufsatzes zum "Krauthappel". Auch die halb versenkte Straßenbahnstation am Schottentor wurde mit einem Kochtopf assoziiert - und nach dem damaligen Bürgermeister flugs "Jonas-Reindl" genannt. Und kaum waren auf dem Neuen Markt die runden Poller montiert - hießen sie auch schon "Türkenkugeln".

Spitz als Signal

Diese urwienerische Namensgebung hat nun kürzlich im Prater ihre Fortsetzung gefunden: Auf das von Gustav Peichl entworfene neue runde Kongressgebäude von 26 Metern Höhe wurde ein Spitz gesetzt, womit der ganze Bau mit einem Mal 95 Meter hoch ist. Denn wenn man in Wien an der Donau schon keinen Messeturm wie den 257 Meter hohen in Frankfurt am Main baut - so montiert man weinigstens ein Spitzerl drauf, damit das Signal wirkt.

Strizziturm

Der erste Beiname kam aus dem Rathaus, als das Werk noch längst nicht im Stadtbild sichtbar war. Dort wurde der runde Bau und sein Aufsatz schnell zum "Topf mit Spitz". Die Sprache der Straße hingegen ist bereits eine andere. "Wohin woll'n S'?", fragte der Taxler nach: "Ah zum Eiffelturm?" Was ein wenig hochtrabend klingt. Ein andernorts gehörter Spitzname klingt weniger nett: "Da schau, der Strizziturm" - in Anspielung auf die legendären Praterstrizzis.

Kardiologenstress Die Bauarbeiter drinnen kümmert das alles herzlich wenig. Die wollen vor allem einmal rechtzeitig fertig werden. Denn ein Teil des neuen Messezentrums muss einfach am 30. August fertig sein - ab diesem Tag werden bis zu 40.000 Besucher zum Kardiologenkongress in Wien erwartet. Das sind 20.000 bis 25.000 Mediziner, Teilnehmer der Industrie, Kongressorganisation und Begleitpersonen. Kurz: der größte medizinische Kongress, der bisher in Europa stattgefunden hat.

Der letzte große Spitz im Prater brannte im Jahre 1937 ab

Über all dem Treiben in Turm und Hallen ein Spitz zur Zierde - was auch stadthistorisch interessant ist. Denn der letzte große Spitz im Prater brannte im Jahre 1937 ab: Die Kuppel der Rotunde - mehr in Zeltform -, die 1873 für die Wiener Weltausstellung errichtet worden war. (Roman Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 14.8.2003)

Im Messezentrum "WienNeu" wird unter Hochdruck gearbeitet, um alles für den Kardiologenkongress vorzubereiten. Das neue Wahrzeichen des Praters steht bereits - und der Volksmund hat für den "Topf mit Spitz" schon weitere Beinamen gefunden.
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    Kaum steht das Wahrzeichen schon wird es vielfach benannt

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