Airbus und Honeywell wollen Jets vor Crash schützen

18. August 2003, 19:42
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Neues System: Steuert der Flieger auf ein Gebäude oder anderes Hindernis zu, übernimmt der Autopilot

Wien - Seit Terroristen Flugzeuge in das World Trade Center und den Pentagon steuerten, hat die Welt ein neues Horrorszenario: Zivilflugzeuge, die als Raketen gegen Atommeiler, Brücken oder Hochhäuser gerichtet werden. Ein neues Sicherheitssystem, das Entwickler Honeywell eine "Schutzblase" nennt, soll diese Gefahr verhindern.

Im Kern ist es eine Erweiterung der vorhandenen Warnsysteme, die Piloten schon jetzt vor Kollisionen warnen, in Kombination mit dem Autopiloten. Steuert ein Jet heute auf einen Berg zu, befiehlt eine computerisierte Stimme im Cockpit: "Terrain! Pull up!" Während es jedoch jetzt am Piloten liegt, auf diese Warnung zu reagieren, soll dies künftig zum Autopiloten delegiert und Eingriffe der Besatzung ausgeschlossen werden. Steuert der Jet auf Kollisionkurs (nicht nur gegenüber Gebäude, um die herum der Computer eine Art unsichtbare Flugverbotszone errichtet, sondern auch andere Flieger oder einen Berg), dann leitet der Autopilot automatisch ein Ausweichmanöver ein.

Der doppelstöckige Riesenjumbo von Airbus, der ab 2006 in Betrieb befindliche A380, ist möglicherweise der erste Jet, der mit einem neuen Sicherheitssystem von Honeywell ausgestattet wird, berichtet das Wall Street Journal Europe. Airbus und Honeywell haben bereits vor 9/11 das "Auto Avoid" genannte System entwickelt und nach den Erfahrungen des Terroranschlags in Hinblick auf Attentate erweitert.

Ein Prototyp des System wurde bis jetzt nur in kleinen Fliegern eingesetzt, hat jedoch gute Ergebnisse gezeigt. Das System könnte auch Abstürze verhindern, wie jenen eines Egypt-Air-Jet 1999: Der suizidale Pilot hatte die Triebwerke abgeschaltet und das Flugzeug zum Absturz gebracht.

Bei den Luftfahrtsbehörden ist das Konzept aber umstritten: Denn wirkliche Sicherheiten gegen Anschläge gebe es nur, wenn der Autopilot nicht desaktiviert werden kann - wogegen Piloten Sturm laufen, obwohl der Autopilot auch jetzt schon wesentliche Flugmanöver selbstständig durchführt. (spu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15. 8. 2003)

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