Heimische Meister auf der Seehöhe von Gmunden

17. August 2003, 23:26
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Auf dem Sprung zum internationalen Format: Die Galerie 422 präsentiert jetzt Arnulf Rainer, ab September Daniel Spoerri

Die Gmundner Unternehmerin Margund Lössl führt eine Galerie im Nebenberuf - mittlerweile eine oberösterreichische Institution auf dem Sprung zum internationalen Format. Im Moment zeigt sie Neues von Arnulf Rainer, ab September Daniel Spoerri.


Gmunden - Das Schlosshotel Orth als künstlicher Fernsehserienort im Blickfang, See und Ort(h) bilden die Atmosphäre, in der Kunst entsteht, Kunst (an)geboten wird. Die heutige Galeriebesitzerin und Inhaberin eines Verzinkungsunternehmens, Margund Lössl, äußerte einmal in unbedachter später Stunde den Wunsch gegenüber dem Besitzer einer Gmundner Galerie (Erich Spitzbart), selbst eine solche zu führen.

Am nächsten Tag von ihm beim Wort genommen, führt sie seit damals gemeinsam mit Erich Spitzbart die Galerie an der Esplanade, aus Platzgründen übersiedelte man 1997 an den Standort "An der Traunbrücke 9", einem mehrgeschoßigen Altbau, dessen Umbau hoher Investitionen bedurfte.

Ihr Hauptberuf prägt einen wesentlichen Grundzug ihrer Philosophie: "Der Käufer findet bei uns überprüfbare Qualität", er kann anhand von Informationen über Verkäufe (Dorotheum), Kataloge, Messe- und Ausstellungsbeteiligungen den Wert von Kunstwerk und Künstler überprüfen. Das zusätzliche Rückgabe- und Umtauschrecht sieht Lössl als erhöhten Kundenschutz.

"Österreichische Kunst nach 1945" heißt die inhaltliche Ausrichtung der Galerie 422, wobei der Anfang mit Gunter Damisch aussagekräftig gesetzt wurde. Die weiteren Künstler fanden durch Mundpropaganda zur Galerie, der Standort Gmunden und die professionelle Führung haben auch klingende Namen wie Siegfried Anzinger, Herbert Brandl, Dietmar Brehm, Jakob Gasteiger, Peter Kogler, Kurt Kocherscheidt, Rudi Molacek, Hermann Nitsch, Gerhard Rühm, Otto Zitko, Tone Fink, Hans Staudacher oder Daniel Spoerri in die Stadt am Traunsee gebracht, den Kunstort Galerie 422 (Seehöhe von Gmunden) geprägt.

Umfeld Oberösterreich

Dazu kommt die Präsentation junger, oft unbekannter Künstler, von Studenten aus den Klassen der Akademie am Schillerplatz und eine jährliche Weihnachtsedition für Firmen.

Margund Lössl ist sich der Vor- und Nachteile des Standortes durchaus bewusst, wie etwa die Auswahl der Künstler und die merkantilen Anforderungen zusammenhängen - kommt doch ein Großteil der Käufer/Kunden aus dem oberösterreichischen Umfeld.

Durch konsequente Aufbauarbeit hat sich die Galerie und deren Qualitätsmaßstab ein zumindest österreichweites Renommee in Fachkreisen geschaffen, was wiederum den Besuchern und Käufern als Garantie für ein korrektes Preis-Leistungs-Verhältnis dient.

Dass die Galerie Kontinuität in jeder Hinsicht schätzt, zeigt sich auch in der künstlerischen Leitung durch den ehemaligen Galeriebesitzer Erich Spitzbart, der gemeinsam mit Margund Lössl aus den Anfängen ein familiäres Netzwerk zwischen Künstlern und der Galerie gesponnen hat, Freundschaften, die auch durch eine hausinterne Woh-nung für Künstler gepflegt und intensiviert werden.

Durch die Betreuung der Kunden der Galerie, auch durch die genannten Serviceleistungen, zu denen weiters die Beratung beim Aufbau von Sammlungen, das Rahmen der Bilder in der Galerie und Probehängen von Exponaten gehören, entstand eine Käufergruppe, die sich für Margund Lössl dreiteilt: Jene, die Bilder als Wertanlage sehen und statt in den unsicheren Aktienmarkt in "sichere" Kunst investieren, jene, die bewusst Werke für eine Sammlung auswählen, und jene, die einfach, anstatt andere Dinge zu schenken oder zu kaufen, einmal ein "Bild an der Wand" haben wollen.

Volles Depot

Zentral ist für Lössl das Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Galerist, das mit einem Besuch einer Ausstellung aus reinem Interesse an der Kunst beginnt und vielleicht irgendwann in einen Ankauf, auch aus dem reichhaltigen Depot, mündet.

Zur Präsenz der Galerie außerhalb Gmundens zählen die Teilnahme an der Linzer Kunstmesse und der Kunstmesse Wien, wo sie plant, den derzeit in der Galerie gezeigten Zyklus "NACKT (durch die Jahrhunderte)" von Arnulf Rainer zu zeigen.

Die Spannung nach vielen Ausstellungen liegt für Margund Lössl in der Herausforderung, auch bekannte, von ihr geschätzte Künstler zu einer Präsentation in ihrer Galerie zu bewegen. Als Fernziel strebt die Galerie 422 Internationalität an, Daniel Spoerri im kommenden September ist als würdiger Auftakt in diese Richtung zu sehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.8.2003)

Von
Thomas Hein

Link

galerie 422.at

Service

Rainer bis 31. 8.,
Spoerri ab 5. 9.

  • Arnulf Rainer zeigt in der Galerie 422 Ergebnisse seiner Erregung: "NACKT (durch die Jahrhunderte)" (Ausschnitt)
    foto: galerie 422

    Arnulf Rainer zeigt in der Galerie 422 Ergebnisse seiner Erregung: "NACKT (durch die Jahrhunderte)" (Ausschnitt)

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