Angebliche Lindbergh-Kinder bleiben im Gespräch

17. August 2003, 12:00
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Drei deutsche Geschwister behaupten, der Fliegerpionier sei ihr Vater - Enkel hält's für möglich, Biograf mehr als skeptisch

Hamburg - Der Biograf von Charles Lindbergh hat nach Angaben des "stern" erhebliche Zweifel an der Behauptung dreier deutscher Geschwister erhoben, sie seien Kinder des amerikanischen Fliegerpioniers. In der neuen Ausgabe des Hamburger Magazins sagte A. Scott Berg, die Aussage der angeblichen Tochter Astrid Bouteuil, sie habe ihm einen Brief geschrieben, aber keine Antwort erhalten, sei falsch. Er habe nie einen solchen Brief bekommen. "Ich höre zum allerersten Mal von der Sache - sonst wäre ich dem natürlich nachgegangen," bekräftigte Scott, der für seine Lindbergh-Biografie mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am 1. August unter Berufung auf die Geschwister von eine bisher unbekannten Doppelexistenz des Luftfahrtpioniers berichtet. Lindbergh habe 1957 in München die 24 Jahre jüngere Hutmacherin Brigitte Hesshaimer kennen und lieben gelernt. Es sei eine enge Verbindung gewesen, die bis zu Lindberghs Tod 1974 anhielt.

Hypothesen

Eine Unklarheit ergebe sich auch aus Erzählungen Dyrk Hesshaimers über seine letzte Begegnung mit Lindbergh im Jahr 1973, sagt der Biograf Berg. Damals sei der Mann bereits so krank gewesen, dass er einen platten Reifen an seinem VW nicht mehr habe reparieren können. Zu dem Zeitpunkt, so der "stern", sei der Wagen bereits drei Jahre in einem kleinen Museum in Minnesota gestanden.

Der Lindbergh-Biograf hält es für gut möglich, dass ein Kontakt zu Brigitte Hesshaimer und ihren Kindern bestanden habe. Nur an die Vaterschaft glaubt er nicht. "Ich glaube gern, dass ihre Mutter ihnen gesagt hat, Charles Lindbergh sei ihr Vater. Ich weiß nichts über die mentale Verfassung dieser Frau. Es war sicher nicht leicht, in den fünfziger Jahren drei Kinder ohne Vater großzuziehen."

Zustimmung zu Gentest

Die drei mutmaßlichen unehelichen Kinder wollen indessen ihre Herkunft mit einem DNA-Test noch in diesem Jahr beweisen. Dies erklärten Astrid Bouteuil und ihre beiden Brüder Dyrk und David Hesshaimer in München. Bouteuil sagte, sie sei sich "absolut sicher", dass Lindbergh ihr Vater sei. Die 42-Jährige will zudem ein Buch über die Familiengeschichte schreiben.

Ansprüche auf das Erbe Lindberghs, der als einer der ersten Medienstars des 20. Jahrhunderts galt, wollen sie nicht erheben. "Ich respektiere den Willen meines Vaters", sagte Dyrk Hesshaimer beim ersten öffentlichen Auftritt der Geschwister seit dem Bekanntwerden ihrer Herkunft.

Stellungnahme des Enkels

Ein Enkel des Flugpioniers glaubt indessen, dass sein Großvater tatsächlich in Deutschland drei außereheliche Kinder gehabt haben kann. Der 36 Jahre alte Morgan Lindbergh sagte in einem Telefoninterview der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin, er glaube, es sei möglich, dass die drei Deutschen die Wahrheit sagten und Kinder seines Großvaters seien. Die Ähnlichkeit mit seiner Familie sei sehr groß, sagte er zu Fotografien von Dyrk und David Hesshaimer und deren Schwester Astrid Bouteuil.

Morgan Lindbergh forderte die Deutschen auf, den von ihnen angekündigten DNS-Test machen zu lassen, um die Abstammung von dem berühmten Flugpionier zu beweisen. "Ich spreche nicht für die Lindbergh-Familie, ich spreche nur für mich selbst, ich glaube es ist möglich", sagte Morgan Lindbergh, der aus Olympia im US-Staat Washington telefonierte. Morgans Vater Jon war das zweite Kind, das Lindbergh zusammen mit seiner Ehefrau Anne Morrow Lindbergh hatte. Er sei auch bereit, einen DNS-Test zu machen, um ihn mit dem der Deutschen zu vergleichen. (APA/Reuters)

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    Charles Lindbergh - führte er ein Doppelleben?

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